01.09.2018  |    Hinterlasse ein Kommentar

Wissen, woher man kommt, ist wichtig 
für den Weg in die Zukunft

Mit dem Postulat «185 Jahre Ustertag – Schweizer Geschichte muss Teil eines lebendigen Unterrichtes sein« wollte die SVP der Schweizer Geschichte wieder den verdienten Platz in der Bildung und Erziehung unsere Jugend zukommen lassen.

Daniel Wäfler
Kantonsrat SVP
Gossau ZH

Leider wurde das Postulat nur von der SVP und der EDU im Kantonsrat getragen und mit 55 zu 109 Stimmen abgelehnt. Trotzdem ist die Thematik nun lanciert und die Diskussion um die Bedeutung der eigenen Geschichte ist hoffentlich auch im Bildungsrat bald wieder ein Thema. Heute spielt Schweizer Geschichte je nach Lehrperson eine etwas mehr oder weniger untergeordnete Rolle im Unterricht. Waren es in der Oberstufe früher 2 Lektionen pro Woche, so ist es heute noch 1 Lektion. Nach dem Motto »Mut zur Lücke» wird mit der eigenen Geschichte und Identität verfahren. Während mit mehreren Fremdsprachen ambitionierte Lehrziele vorgegeben sind, wird die eigene Geschichte und Identität nur stiefmütterlich behandelt.

Schweizer Geschichte nicht stiefmütterlich behandeln

Das heutige politische System der Schweiz und unseres Kantons wurde weitgehend im 19. Jahrhundert geschaffen und stellt trotz seines zunehmenden Alters immer noch eine moderne und einmalige direktdemokratische Regierungsform dar, die weltweit immer noch zu den besten und effektivsten gehört. Mit dem Hundert-Jahr-Jubiläum des Proporzwahlrechtes konnten wir am letztjährigen 7. Juli eine der letzten grossen Meilensteine unserer Demokratie feiern. Die letzte grosse Änderung ist dann wohl die späte Einführung des Frauenstimmrechts gewesen.
Wie kam es zur Bundesverfassung von 1848? Welche Rolle spielte der Kanton Zürich mit dem Uster-Tag im Vorfeld für diese für damalige Verhältnisse revolutionäre Verfassungsgebung der Eidgenossenschaft? Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten und stellen den Inhalt einer reichhaltigen und tiefgebauten Schweizer Geschichte dar.

Das 19. Jahrhundert ist sicherlich einer der prägendsten Zeitabschnitte für unseren heutigen Kanton gewesen und verdient es, in der Geschichtskunde mehr Beachtung zu finden. Bis heute ernten wir immer noch die Früchte, die auf der Grundlage des damals für Europa revolutionären Schweizer Bundesstaates wachsen. Der Ustertag steht für diese Ära und die Bedeutung des Kantons Zürich für die Eidgenossenschaft und die Bedeutung der demokratischen und mehrsprachigen Schweiz für die internationale Gemeinschaft.
Neben der Begründung der humanitären Tradition durch Henri Dunant wurde auch das Fundament der wissenschaftlichen Spitzenrolle der modernen Schweiz durch die Gründung der ETH oder Polytechnischen Schule, wie sie damals hiess, gelegt. Der heutige Finanzplatz und die Eisenbahn gehen ebenfalls auf diese Zeit zurück. Um die Erwähnung des Namens Escher kommt man dabei nicht herum. Pikant ist hingegen die Tatsache, dass das weltweit verwendete Wort Putsch, seinen Ursprung im Züritütsch hat und insbesondere auf den Züriputsch von 1839 zurückgeht. Der Vater aller Putsche fand somit auf dem Zürcher Münsterplatz statt und forderte unter anderem einem Regierungsrat das Leben.

Stolz auf unsere Geschichte sein können

So spannend ist unsere Geschichte! Und trotzdem werde ich immer wieder in ganz Europa von etwas mitleidigen Zeitgenossen darauf hingewiesen, dass die Schweiz halt schon siebenhundert Jahre keinen Krieg mehr gehabt habe und halt vor lauter «Fränkli» horten manche wirkliche Geschichtserfahrung verpasst habe, um mit den anderen ernsthaft mitreden zu können. Solange dies unsere Nachbarn glauben, ist es mir ja noch relativ egal, die sollen vor allem Vertrauen in unsere guten Produkte der Gegenwart haben. Wenn dies aber die jungen Schweizerinnen und Schweizer selber zu glauben anfangen, dann läuft etwas schief. Während Migrantenvereine ihren Nationalstolz sogar in kriegerischen Theaterspielen zelebrieren, üben sich Schweizer in Selbstverleugnung und falschverstandener Korrektheit gegenüber Fremden. Irgendwann wissen dann nicht mal mehr die amtierenden Politiker über ihre Geschichte Bescheid und müssen nach Paris oder Berlin zum Nachdiplomstudium.

Es ist wichtig, dass auch künftige Generationen wissen, woher ihre Freiheiten kommen, und stolz darauf sein können. Wer die Dispute und Verführungen vergangener Zeiten kennt, hat auch ein gesundes Fundament, um sich den heutigen Herausforderungen zu stellen. Geben wir den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und haben wir den Mut, den Geschichtsunterricht lebendig zu gestalten und eine gesunde Schweizer Identität zu erhalten. Daher müssen wir wieder mehr Schweizer Geschichte und echte Swissness auch im Unterricht wagen und einfordern.

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