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80 Jahre Christoph Blocher

Die Kraft des Überzeugens
Christoph Blocher hat die SVP weder mit Befehlen noch mit dem Portemonnaie
zur stärksten Partei des Landes gemacht. Sondern mit seinen Argumenten.

Der Verfasser dieser Zeilen war 1977 entschieden dagegen, dass Christoph Blocher das Präsidium der Zürcher SVP übernahm. Ein Industriemanager mit Chauffeur – so befand der damals Sechzehnjährige – eigne sich nicht zur Führung einer mittelständischen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei. Nach dem Einsenden eines geharnischten Leserbriefs an die Parteizeitung überzeugte Kandidat Blocher den Kritiker Mörgeli in einem längeren Telefongespräch, dass er vollkommen auf dem traditionellen, liberalkonservativen Boden der SVP stehe. Doch gelte es, dieses Gedankengut nicht bloss auf die Landwirtschafts- und Militärpolitik zu beschränken. Vielmehr müsse sich die Partei auch in der Aussenpolitik, der Wirtschaftspolitik, ja selbst der Bildungs- und Gesellschaftspolitik einbringen. In seiner Dankesrede nach der Wahl zum Kantonalpräsidenten stellte Blocher seine Sicht vor: Die SVP müsse ihre Orientierungskrise und den Zank über Organisatorisches, Stil und Führung beenden. Entscheidend sei die inhaltliche Substanz, und diese sei per sofort unter Einhaltung der bisherigen Marschrichtung ins Volk hinauszutragen. Es gehe nicht um eine Krise der Partei, sondern um eine solche der Schweiz und der Welt. Nicht nur im kommunistischen Osten drohe Gefahr, auch hierzulande seien wir auf dem Weg zu «einer Gesellschaft von Staatspensionären».

Unterstützung der Bürger gewinnen

Christoph Blocher schwor die Amtsträger aller Stufen darauf ein, die SVP-Grundsätze mit mehr Mut und Zivilcourage zu vertreten und an die Bürgerinnen und Bürger zu denken, statt an sich selber. Nur so werde sich der Erfolg wieder einstellen. Die Zahl der Aktivitäten und Anlässe vervielfachte sich. Wo immer Blocher auftrat – und kein Anlass war ihm zu gering –, hielt er eine politische Ansprache und betonte die Bedeutung der Säulen des schweizerischen Erfolgsmodells, nämlich die Unabhängigkeit, die dauernd bewaffnete Neutralität, die direktdemokratischen Bürgerrechte, den Föderalismus und die Marktwirtschaft. In der Parteiarbeit achtete er zwar auf eine effiziente Führung, liess aber jedermann ausgiebig reden und setzte durch, dass weder die Parteileitung noch der Vorstand oder die Delegierten überfahren wurden.

Vor entscheidenden Abstimmungen wurde ausgiebig gestritten – und zwar nicht nur parteiintern, sondern regelmässig mit den besten Vertretern der Gegenpositionen aus anderen Parteien. Gerade diese internen Konfrontationen sorgten danach für Klärung und einen geradlinigen Kurs.

Dabei ging es Blocher bei der Lösung von Problemen aller Stufen – genau wie im Unternehmen – jederzeit darum, den unbefriedigenden Ist-Zustand in den zu erstrebenden Soll-Zustand überzuführen. Doch worin lag die Qualität und Kraft seiner Argumente? Hauptsächlich wohl darin, dass er entgegen dem Zeitgeist, entgegen der Auffassung der Eliten unablässig die Bedeutung der hiesigen Institutionen verteidigte. Glaubwürdigkeit verlieh ihm, dass er dabei auch schwere persönliche Nachteile in Kauf nahm, etwa den Rauswurf aus dem Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankgesellschaft (heute UBS).

Jedes Mal klüger als zuvor

Die Parteileitungssitzungen, oft in aller Herrgottsfrühe angesetzt, wurden für die teilnehmenden Handwerker, Akademiker, Angestellten und Bauern gleichermassen zum Ereignis. «Ich wollte eigentlich dafür stimmen, aber Blocher hat so starke Argumente dagegen gebracht, dass er mich schlussendlich überzeugt hat», erzählte mir einst ein bestandener Landwirt aus dem Zürcher Oberland. Er und alle anderen Teilnehmer freuten sich auf die Treffen, weil sie vom Präsidenten enorm viel erfahren und lernen konnten. «Wir gehen jedes Mal klüger heim, als wir gekommen sind. Und wir haben obendrein viel zu lachen», fügte er an.

Der Kampf gegen den Beitritt zum EWR 1992 konnte Blochers Lager den Befürwortern von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und allen andern Bundesratsparteien wenig entgegensetzen. Aber die von ihm angestossenen Diskussionen bewegten die Bürger. Per Befehl und mit schnarrendem Kommandoton hätten sich nicht 79 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen bemüht. Es war ein freiwilliger Akt aufgrund von Überzeugungen, die durch das Abwägen der Argumente zustande kamen. Argumente, die Blocher an zweihundert Veranstaltungen – oft in Streitgesprächen – in die Bevölkerung hinaustrug.

In den vier Jahren von Blochers Tätigkeit im Bundesrat unterlief der Landesregierung kein entscheidender Fehler. Entgegen landläufigen Einschätzungen wirkte Blocher im Gremium nicht als Spaltpilz, sondern als Stabilisator. Trotzdem wurde er nach vier Jahren abgewählt, wohl auch deshalb, weil seine politischen Erfolge in der auf Machtskepsis codierten Schweiz als Bedrohung empfunden wurden. «Blocher führte selbstverständlich das Justizdepartement als Profi tadellos. Das Handwerkliche beherrscht er aus dem Effeff.» Diese Einschätzung stammt nicht vom SVP-Pressedienst. Sondern vom kürzlich verstorbenen SP-Doyen Helmut Hubacher.

 

 

 

Christoph Blocher hat die Zürcher SVP 1977 bis 2003 geprägt.Bild: zvg

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