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«Die Unmittelbarkeit macht auch den Reiz der Sendung aus»

Teleblocher darf mit Fug und Recht als Pionierleistung des Internetfernsehens gelten. Über 14 Jahre stellte sich Alt Bundesrat Christoph Blocher wöchentlich den Fragen von Matthias Ackeret. Nun steht der Interviewer selbst Red und Antwort zum Rezept eines nach wie vor erfolgreichen TV-Formats.

Die 700. Ausgabe von Teleblocher ist online. Ein Grund zum Feiern?

Zweifelsohne, obwohl es wegen Corona schwierig ist. Ansonsten haben wir immer ein kleines Fest veranstaltet und unsere Kritiker eingeladen. Letztes Mal – im Herbst 2019 – kam die halbe Zürcher Journalistenszene in die Beiz von Toni Brunner. Von Roger Schawinski, Hanspeter Lebrument, Peter Hartmeier, Gerold Bührer über die WOZ bis zur NZZ. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass ein solches Format fast 14 Jahre lang existiert. Die Form ist ja ganz einfach: zwei Männer, eine Kamera, eine Einstellung. Claudio Ferrari übrigens, der für Kamera und Technik zuständig ist, ist auch seit Beginn dabei.

Warum entstand eigentlich vor bald 14 Jahren die Idee für den eigenen TV-Kanal?

Die Idee stammt von Norbert Neininger, dem verstorbenen Verleger der Schaffhauser Nachrichten. Er orientierte sich am ehemaligen Schaffhauser Stadtpräsidenten Walther Bringolf, der während des Zweiten Weltkriegs wöchentlich auf Radio Beromünster einen Kommentar zur Weltlage abgab. Teleblocher ist wirklich eine Pionieridee, eigentlich die «Mutter aller InternetSendungen». Der ehemalige englische Ministerpräsident Gordon Brown hat es eine Zeitlang auch gemacht und sich – laut Zeitungsberichten  – auf Teleblocher berufen. Nachträglich wird nichts geschnitten oder korrigiert. Diese Unmittelbarkeit macht auch den Reiz der Sendung aus.

Aktualität ist Trumpf: Wie entsteht jeweils der Themenmix für die nächste Sendung?

Meist liegen die Themen auf der Hand. Wir treffen uns immer Freitag um 7 Uhr bei Christoph Blocher in Herrliberg und trinken einen Kaffee, am Ende diskutieren wird kurz die Themen. Um halb acht Uhr starten wir mit der Aufzeichnung. Das ist ja das Faszinierende an meinem Gesprächspartner, entweder ist er selber Akteur  – und wenn nicht – zumindest ein guter Analytiker und Beobachter. Ich realisiere auch, dass viele Themen, die wir bei Teleblocher anschneiden, kurze Zeit später in die aktuelle Politdiskussion einfliessen. Beispielsweise die Impfpflicht von Altersheimmitarbeiterinnen und -mitarbeitern. Oder der Rahmenvertrag: die ganze Diskussion wurde – meines Erachtens  – vor rund fünf Jahren erstmals richtig über Teleblocher lanciert. Und zwar zu einer Zeit, wo jeder dachte: «Wovon spricht jetzt Christoph Blocher?»

Wie setzt sich das Stamm-Publikum zusammen?

Schwierig zu sagen. In Krisenzeiten haben wir erfahrungsgemäss viel mehr Zuschauerinnen und Zuschauer als in vermeintlich normalen. Corona ist das beste Beispiel. Zudem wird die Sendung via Schaffhauser Fernsehen auch über Swisscom TV ausgestrahlt. Schätzungsweise haben wir pro Ausstrahlung rund 50–60000 Zuschauerinnen. Dabei gehören viele Journalistinnen und Journalisten, aber auch viele Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer dazu. Der ehemalige Bundesratssprecher Oswald Sigg hat einmal erzählt, dass er die Sendung jedenfalls vor den Bundesratssitzungen angeschaut habe, um seine Kolleginnen und Kollegen über deren Inhalt zu informieren.

Wird Teleblocher oft von anderen Medien zitiert?

Eigentlich schon. Aber es sind Wellenbewegungen, manchmal sehr viel und manchmal gar nicht. Es gibt auch Zeitungen, die uns zitieren, ohne den Namen der Sendung zu erwähnen. Aber die Resonanz ist eigentlich ungebrochen. Insgesamt ist doch erstaunlich, zu welcher Marke Teleblocher geworden ist. Jeder kann etwas über die Sendung  sagen, ohne sie je gesehen zu haben … (lacht).

Welche Sendung verdient einen Eintrag ins Geschichtsbuch?

Verschiedene. Zweifelsohne die erste am 14. September 2007, die Hauptthema in der Tagesschau und den 12-UhrNachrichten von Radio DRS war, zwei Bundesratssitzungen sowie eine Untersuchung des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) über deren Rechtmässigkeit provozierte. Man muss sich dies einmal vorstellen. Dann jene nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative 2014, die wir auf hochdeutsch machten, da sie von vielen Sendern übernommen wurde. Meine Lieblingssendung war vor vier Wochen, als Christoph Blocher erstmals sein «Museum» in Herrliberg vorstellte. Auch eine technische Glanzleistung von unserem Kameramann Claudio Ferrari, der alles ohne einen Bildschnitt und ohne verzitterte Bilder aufzeichnete.

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