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Unsere Schweiz

Wir führen unser 728-jähriges Land auf den Bundesbrief zurück. Dieser ist kein Mythos, sondern eine gesiegelte Urkunde, datiert auf den Anfang des Monats Augusts 1291. Es handelt sich um eine einzige Seite, 20 Zentimeter hoch und 32 Zentimeter breit, mit nur gerade 17 Zeilen. Nicht etwa volle 1865 Seiten, wie die neue schweizerische Lebensmittelverordnung!

Unser Bund beruht weder auf einem Herrscherwillen, noch auf einem Expertengremium, und es handelte sich auch nicht um ausgeklügelte Verfassungsgrundsätze. Sondern vielmehr um die Willenserklärung einfacher Landleute, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen wollten, die in der Lebenswirklichkeit standen und das aufschreiben liessen, was in ihren Augen Substanz hatte. Und es hat für über 700 Jahre hingereicht. Mochten Fürstentümer, Kaiser- und Königreiche, Diktaturen vom Kommunismus und Faschismus in Europa auch allesamt untergehen, die kleine Schweiz ist geblieben. Warum? Weil es sich hier um das staatspolitische Wunderwerk handelte und noch immer handelt, in dem die Bürgerinnen und die Bürger die Chefs sind im Lande.

 

Tellenschuss und Rütlischwur

Neben diesem einzigartigen Dokument kennen wir auch einen Staatsmythos, sogar einen doppelten. Zum einen die schöne Geschichte des Tellenschusses, des Tyrannenmörders Wilhelm Tell. Er ist ein Einzelgänger, der das tut, was im allgemeinen Interesse geschehen muss. Daneben kennen wir aber auch den Rütlischwur als Bekenntnis zur Gemeinschaft, zum Zusammenstehen der Landleute von Uri Schwyz und Unterwalden. Ob und wie all das in Wirklichkeit geschehen ist, wissen wir nicht. Es ist auch nicht wichtig. Gottfried Keller dichtete es so: «Ob sie gescheh’n? Das ist hier nicht zu fragen; / Die Perle jeder Fabel ist der Sinn, / Das Mark der Wahrheit ruht hier frisch darin, / Der reife Kern von allen Völkersagen.»

Die Schweizer haben sich zwar an ihren Sagen und Legenden erfreut, aber immer auch ausgezeichnet durch ihren Realismus. Stets haben sie sich die entscheidende Frage gestellt. Wie finanzieren wir in diesem von Natur aus armen Land unsere Zukunft? Von Natur aus mausarm, ohne Bodenschätze oder Meeranschluss, waren sie gezwungen, ein Überlebenskonzept, ein Businessmodell, eine Selbsthilfeorganisation zu entwickeln. Sie taten es nach dem Grundsatz, dass die Bürger das letzte Wort haben. So konnten die Regierenden weniger Unfug anstellen, weder ihre Bevölkerung ausplündern noch unüberlegte Kriege anzetteln.

 

Wer ist ein Schweizer?

Doch wer ist eine Schweizerin, wer ist ein Schweizer? Es ist nicht nötig, dass die Vorfahren schon am Morgarten oder im Alten Zürichkrieg dabei waren. Es gilt vielmehr Gottfried Kellers Wort: «Wer nicht klar für die Unabhängigkeit und Freiheit der Schweiz eintritt, ist kein richtiger Schweizer.» Wer aber zu unserer Staatsform mit ihrer Unabhängigkeit, direkten Demokratie, Föderalismus und Neutralität stehen kann und sich diese Staatsform verinnerlicht hat, der ist ein Schweizer. Egal, ob er erst gestern eingebürgert worden ist. Darum habe ich Freude, wenn es vom Vorstandstisch des Üriker Ortsvereins so tönt: «Wir alte Schwiizer müsse zusamme hebe!» Das zeigt nur, dass sich diese zugewanderten Mitbürger schnell und rasch integriert haben. Das mit dem Dialekt kommt vielleicht später noch. Oder auch nicht. Rechte Schweizer sind solche Üriker allemal.

 

Christoph Mörgeli

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#zürcher bote
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Christoph Mörgeli
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