Adieu Frühfranzösisch
Seit 2005 werden im Kanton Zürich wegen des Lehrplans 21 und dem damit verbundenen HarmoS-Konkordat bereits in der Primarschule zwei Fremdsprachen unterrichtet: Englisch ab der zweiten und Französisch ab der fünften Klasse.

Eine weitere Folge der ungebremsten Zuwanderung: In manchen Klassen spricht kaum noch ein Kind Deutsch. Bild: Adobe Stock
Die SVP/EDU-Fraktion hat nichts gegen Französisch, denn für viele schweizweit tätige KMU ist Französisch im Alltag immer noch die erste Fremdsprache. Wir sind jedoch der Meinung, eine Fremdsprache in der Primarschule ist genug.
Seit längerer Zeit beklagen die Lehrpersonen der Primarstufe und der Sekundarstufe I die bescheidenen Französischkenntnisse am Ende der Primarschulzeit, laut einer Vergleichsstudie unter den Kantonen erreicht die Hälfte der Schulabgänger die Grundkenntnisse in Französisch nicht. Das ist bedauerlich, denn das Ziel des Frühfranzösisch auf der Primarschulstufe war, die Französischkenntnisse der Schülerinnen und Schüler der deutschsprachigen Schweiz zu verbessern.
Und das ist längst nicht alles. Tatsache ist, dass das Niveau in den Grundkompetenzen Deutsch und Mathematik sinkt und der Druck auf die Kinder steigt. Noch schlimmer ist, dass gemäss neuesten Untersuchungen 20 Prozent der Jugendlichen nach der obligatorischen Schule nicht korrekt lesen und schreiben können oder einen gelesenen Text nicht verstehen. Denn wichtig sind gute Deutschkenntnisse auch in den Naturwissenschaften. Wie will ein Schulabgänger komplexe Zusammenhänge verstehen oder textgebundene und alltagsbezogene Mathematik begreifen, wenn er den Text nicht versteht? Ich denke da besonders an die handwerklich-technischen Berufe.
Als 2005 die zwei Fremdsprachen auf Primarstufe eingeführt wurden, war die Schweiz noch eine andere. Für den weitaus grössten Teil der Kinder war damals Mundart die Erstsprache, spätestens mit dem Eintritt in den Kindergarten folgte die Standardsprache. In den vergangenen 20 Jahren ist die Schweiz wegen der ungebremsten Zuwanderung um zwei Millionen Einwohner gewachsen. Heute spricht jedes fünfte Kind in der Schweiz zu Hause kein Deutsch! Beim Erlernen einer Sprache wird immer wieder das Sprachenbad zitiert: Ein Kind lernt eine Sprache, wenn es von ihr umgeben ist und sie im Alltag erlebt. Ja, aber wie soll das heute funktionieren, wenn in manchen Klassen kaum ein Kind Deutsch spricht? Mundart ist also bereits seine erste Fremdsprache im Alter von cirka vier Jahren bei Kindergarteneintritt, ab der ersten Klasse folgt die Standardsprache und ein Jahr später beginnt der Englischunterricht und in der fünften Primarklasse Französisch. Kein Wunder also, erreicht ein Grossteil der Jugendlichen die Minimalanforderungen an die Sprachen bis Ende Schulzeit nicht.
Gegen den Willen der Regierung und trotz mahnender Worte der Bildungsdirektorin, eine Überweisung sei «ein Spiel mit dem Feuer», der Kanton Zürich würde damit das HarmoS-Konkordat sprengen und sich dem Zorn von Bundesbern aussetzen, überwies der Rat die von Mitte, SVP, GLP und EVP eingereichte Motion mit 108:64 Stimmen deutlich.