Hilferuf der Gemeinden bleibt ungehört
Nicht nur Weihnachtsgrüsse landeten über die Festtage in den Briefkästen der Kantonsräte, sondern auch Post aus vielen Zürcher Gemeinden, welche darum baten, beim Geschäft «Anpassung neu definierter Berufsauftrag» Mass zu halten.

Heterogen zusammengesetzte Klassen sind für viele Lehrpersonen eine grosse Belastung. Bild: SVP Kanton Zürich
Leider haben nur die Fraktionen der SVP/EDU und FDP verstanden, worum es bei diesem Geschäft ging, und konnten ein grosszügiges Geldgeschenk auf Kosten der Gemeinden – sie zahlen 80% der Lehrerlöhne – nicht verhindern. Die Anpassungen im Berufsauftrag über den moderaten Vorschlag der Regierung hinaus war der Versuch von Mitte-Links, der Überlastung der Lehrpersonen mit Geld entgegenzuwirken – mit wenig Nutzen für die Bildung, denn die Aufgaben werden nicht weniger, sie werden einfach mit Goodies versüsst.
Einigkeit herrschte bei den Voten zum Eintreten in einem Punkt: Die allermeisten Lehrpersonen sind sehr engagiert und leisten in einem schwierigen Umfeld gute bis sehr gute Arbeit. Dies wird von allen Parteien ausdrücklich anerkannt.
Was nun beschlossen wurde, ist keine wirkliche Entlastung der Lehrpersonen oder Mehrwert für die Schule, sondern eine versteckte Lohnerhöhung bei bereits hohen Löhnen. Der Einstiegslohn einer Primarlehrperson beträgt 99`000 Franken und liegt damit ca. 25% über dem Schweizer Durchschnitt für Berufseinsteiger. Lehrpersonen sind kantonale Staatsangestellte mit Sonderregelungen, von denen die Privatwirtschaft nur träumen kann: automatische Lohnanstiege, hohe Einstiegslöhne und ein faktischer Kündigungsschutz. Während in der Privatwirtschaft aktuell Kündigungen, Konkurse und Unsicherheit herrschen, werden staatliche Löhne aus Steuergeldern finanziert – nicht aus erwirtschaftetem Mehrwert. Wir hören stets das Argument, Bildung sei unsere wichtigste Ressource und deshalb dürfe hier nicht gespart werden. Hier sei die Frage erlaubt, ob die eingesetzten Mittel tatsächlich effizient und zielgerichtet verwendet werden. Diese Frage wird leider allzu oft ausgeblendet.
Viele engagierte Lehrpersonen leisten tatsächlich mehr, als der Berufsauftrag verlangt. Das liegt jedoch auch an einem überbordenden administrativen Aufwand, den heterogen zusammengesetzten Klassen und übermotivierten Eltern, welche aber gleichzeitig immer mehr Erziehungsverantwortung an die Schule delegieren. All das kann zu Überlastung führen und schlussendlich zum Ausstieg aus dem Beruf. Deshalb müssen wir genau da ansetzen und nicht noch mehr Geld verteilen. Unser Bildungssystem braucht Reformen, pragmatische Lösungen und eine klare Prioritätensetzung. Der nun angepasste Berufsauftrag ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Bereits sind einige Vorstösse hängig, wie die von der SVP mitunterzeichnete Förderklassen-Initiative. Der Vorschlag der Regierung für die Umsetzung liegt nun vor, die Beratungen werden demnächst in der Kommission für Bildung und Kultur aufgenommen.