Unsere Feste brauchen keinen Verbotsstaat
Traditionen bewahren, Gemeinden ernst nehmen, das Gewerbe nicht ausbremsen: Gegen die Feuerwerksinitiative steht ein breites bürgerliches Bündnis. Als SVP-Nationalrat sage ich: Rücksicht braucht klare Regeln. Sie braucht aber keinen Staat, der uns bis zum letzten Funken vorschreibt, wie wir feiern dürfen.

Wenn Kinder, Eltern und Grosseltern am 1. August gemeinsam in den Himmel schauen, entsteht etwas, das kein Bundesamt verordnen kann: Gemeinschaft. Bild: Adobe Stock
Am 29. November geht es um mehr als Böller. Die Initiative verlangt ein schweizweites Verkaufs- und Verwendungsverbot für Feuerwerkskörper, die Lärm erzeugen. Das betrifft auch Raketen und Batterien mit farbigen Effekten – einen wesentlichen Teil unseres Festfeuerwerks.
Dagegen engagieren sich Vertreter von SVP, FDP und Mitte sowie des Schweizerischen Gewerbeverbands. Auch Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Diese Vorlage schiesst weit über das Ziel hinaus.
Tradition ist mehr als Dekoration
Wenn Kinder, Eltern und Grosseltern am 1. August gemeinsam in den Himmel schauen, entsteht etwas, das kein Bundesamt verordnen kann: Gemeinschaft. Das Staunen, die Begegnungen im Dorf, der festliche Abschluss eines Vereinsjubiläums – solche Momente verbinden Generationen. Natürlich kann man auch ohne Feuerwerk feiern. Man kann vieles ohne vieles. Daraus folgt noch lange nicht, dass der Staat es verbieten soll.
Unsere Traditionen gehören den Menschen, die sie leben. Nicht einer politischen Erziehungsanstalt, die entscheidet, welche Freude noch zeitgemäss ist. Ich will eine Schweiz, die ihren Bürgern Verantwortung zutraut, statt ihnen bei jeder Gelegenheit eine neue Verbotstafel vor die Nase zu stellen.
Rücksicht ja. Bevormundung nein
Die Befürworter verweisen auf Tierleid, Verletzungen und Umweltbelastungen. Diese Anliegen sind ernst zu nehmen. Wer Tiere unnötig erschreckt, Abfälle liegen lässt oder trotz Trockenheit Feuerwerk zündet, handelt verantwortungslos. Freiheit ist kein Freipass für Dummheit. Doch zwischen gezielten Schutzmassnahmen und einem landesweiten Verbot liegt ein entscheidender Unterschied.
Kantone und Gemeinden können Feuerwerk bereits heute zeitlich und örtlich einschränken, Bewilligungen verlangen und bei Gefahren verbieten. Diese Instrumente müssen genutzt und die Regeln durchgesetzt werden. Eine Altstadt braucht andere Vorgaben als ein geeigneter Festplatz ausserhalb des Dorfkerns. Dafür braucht es Ortskenntnis, keinen zusätzlichen Verfassungsartikel.
Föderalismus ist eine Stärke der Schweiz. Warum sollen Gemeinden weniger entscheiden dürfen, obwohl sie die Verhältnisse am besten kennen? Ein Bundesverbot schafft nicht mehr Vernunft, sondern mehr Bevormundung.
Das Dorffest zählt nicht weniger
Die Initiative lässt kantonale Ausnahmen für Anlässe von überregionaler Bedeutung zu. Sie verbietet also nicht jedes Feuerwerk. Aber sie schafft eine fragwürdige Rangordnung: Der Grossanlass könnte eine Bewilligung erhalten; das lokale Fest ohne überregionale Bedeutung nicht, soweit es um lärmerzeugendes Feuerwerk geht.
Warum soll das Vereinsjubiläum weniger zählen als der grosse Event? Heimat hat keine Mindestbesucherzahl. Und statt lokaler Entscheidungsfreiheit gäbe es für die verbleibenden Ausnahmen Gesuche an den Kanton. Mehr Bewilligungsstaat ist noch kein Fortschritt.
Auch das Gewerbe zahlt die Rechnung
Hinter dem Feuerwerk stehen Fachhändler, spezialisierte Betriebe, Veranstalter und Zulieferer. Ihnen würde ein wichtiger Teil der Geschäftsgrundlage entzogen. Das Nein-Komitee warnt deshalb auch vor Folgen für Arbeitsplätze und gewachsenes Fachwissen. Diese Betriebe sind kein Kollateralschaden, den man für das gute Gefühl eines neuen Verbots einfach abschreiben darf.
Ich will klare Zeitfenster, sichere Orte, Rücksicht und konsequenten Vollzug. Aber keine Schweiz, in der wir unsere Bräuche nur noch nach staatlichem Geschmack pflegen dürfen. Freiheit mit Verantwortung statt Freiheit auf Gesuch: Darum sage ich am 29. November NEIN zur Feuerwerksinitiative.