130 000 Franken Jahreslohn – und noch immer nicht genug?
Wussten Sie, dass einer Lehrperson für jede Unterrichtslektion von 45 Minuten im Jahresdurchschnitt zusätzlich rund 44 Minuten bezahlte Arbeitszeit für Planung, Vor- und Nachbereitung angerechnet werden? Der Einstiegslohn für Primarlehrpersonen liegt bei einem Vollzeitpensum bereits bei knapp 100 000 Franken jährlich. Trotzdem sollen mit der Änderung des Lehrpersonalgesetzes weitere rund 83 Millionen Franken pro Jahr ausgegeben werden. Ist das wirklich der richtige Weg zu einer besseren Schule?

Gute Arbeit soll gut entlöhnt werden. Das ist bei den Zürcher Lehrpersonen bereits heute der Fall. Bild: SVP
Die anspruchsvolle Arbeit unserer Lehrpersonen verdient Anerkennung und eine angemessene Entlöhnung. Diese bietet Zürich bereits heute: Die kantonalen Personalführungskennzahlen 2025 zeigen für Volksschullehrpersonen bei Frauen und Männern einen Median des Jahreslohns von rund 130 000 Franken. Das bedeutet: Jede zweite Lehrperson verdient ungefähr diesen Betrag oder mehr. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt der Jahreslohn von Primarlehrpersonen auf über 150 000 Franken. Was ursprünglich als gezielte Entlastung insbesondere für Klassenlehrpersonen gedacht war, wurde durch eine knappe Mehrheit des Kantonsrates deutlich ausgeweitet.
Mehr Geld allein löst die Probleme nicht
Die neuen PISA-Ergebnisse geben Anlass zur Sorge: In Mathematik und Lesen haben sich die Leistungen der Schweizer Jugendlichen gegenüber 2022 verschlechtert. Wie unsere Kinder wieder besser lesen, schreiben und rechnen lernen, darauf bleibt die Vorlage eine überzeugende Antwort schuldig.
Die Belastungen im Schulalltag haben konkrete Ursachen: Sprachliche Integrationsaufgaben durch Migration, heterogene Klassen und eine integrative Schule, die viel Abstimmung zwischen Lehrpersonen, Heilpädagoginnen und weiteren Fachkräften verlangt. Höhere Zeitgutschriften beseitigen weder Sprachbarrieren noch den Koordinationsaufwand.
Was heute bereits angerechnet wird
Bei 28 Wochenlektionen steht eine Lehrperson wöchentlich 21 Stunden vor der Klasse. Angerechnet werden für Unterricht samt Planung, Vor- und Nachbereitung jedoch knapp 42 Stunden pro Schulwoche – wenn man das gesamte Jahresbudget für diesen Tätigkeitsbereich auf 39 Schulwochen verteilt. Damit steht neben jeder Unterrichtsstunde praktisch nochmals eine Stunde für die Arbeit rund um den Unterricht zur Verfügung. Ich halte dieses Verhältnis im Durchschnitt für angemessen. Trotzdem soll der Lektionenfaktor von 58 auf 59 steigen.
Nicht jede Lektion braucht gleich viel Vorbereitung. Aufwendigen Prüfungen und Korrekturen stehen erprobte Unterrichtssequenzen, Doppellektionen und wiederverwendbare Materialien gegenüber. Besondere Belastungen rechtfertigen gezielte Entlastung, aber keine pauschale Erhöhung für alle.
Für die Klassenlehrfunktion werden zusätzlich 100 Stunden pro Klasse und Jahr angerechnet. Diese Pauschale soll auf 160 Stunden steigen. Hinzu kommen Zeitbudgets für Schule, Zusammenarbeit und Weiterbildung.
Überstunden müssen über das ganze Jahr betrachtet werden
Als Begründung für höhere Zeitansätze wird auf Überstunden verwiesen. Bei Befragungen muss man jedoch genau hinschauen: Wie wurde die Arbeitszeit erhoben und wurde das ganze Jahr berücksichtigt? Auch Forderungen von Berufsverbänden und Gewerkschaften müssen sich dieser Prüfung stellen.
Den 39 Schulwochen stehen rund 13 Wochen unterrichtsfreie Zeit gegenüber. Neben den persönlichen Ferien dienen sie der Vorbereitung, Weiterbildung und dem Ausgleich besonders arbeitsreicher Schulwochen. Eine hohe Wochenbelastung allein belegt deshalb noch keine Überschreitung der Jahresarbeitszeit. Entscheidend ist die vollständige Jahresrechnung.
Gute Arbeitsbedingungen statt Giesskanne
Weniger Bürokratie, klare Strukturen und gezielte Entlastung würden im Schulalltag einen konkreten Unterschied machen. Gute Arbeit soll gut entlöhnt werden. Das ist bei den Zürcher Lehrpersonen bereits heute der Fall. Weitere 83 Millionen Franken auszugeben, ohne die strukturellen Probleme unserer Volksschule anzugehen, überzeugt mich nicht. Deshalb sage ich am 27. September NEIN zur Änderung des Lehrpersonalgesetzes.