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Bargeld-Abschaffung benachteiligt die Benachteiligten

Die schleichende Bargeld-Abschaffung hat für wirklich Randständige verheerende Folgen. Wer am Rande der Gesellschaft lebt, dem droht mit der Digitalisierung des Geldwesens ein kompletter Ausschluss.

Wer kein Bankkonto hat, wird mit der Bargeld-Abschaffung vom gesellschaftlichen Leben zunehmend ausgeschlossen. Bild: Adobe Stock

Es gibt Randgruppen, die ausserhalb der Leistungsgesellschaft leben, sei es aus freien Stücken oder weil sie den Anschluss verloren haben. Für diese Aussenseiter interessiert sich oft niemand. Sie sind keine Sympathieträger und verursachen echte Probleme. Dazu gehören Randständige, Illegale, Bettler, Kleinkriminelle, Junkies, Clochards oder Alkoholiker. Obwohl schwierig bis unerträglich, sind diese Leute Teil unserer Gesellschaft. Ein Engagement für solche echte Randgruppen ist undankbar. Lösen kann man die Probleme dieser Leute nicht.

Randgruppen sind nicht immer optisch erkennbar. Es gibt Menschen, die unkonventionell leben und sich um die Meinung der Mehrheit foutieren. So gibt es eine Form von Prostitution, die in halblegalem Rahmen abläuft. Zum Beispiel verdient sich eine Touristin ihre verlängerten Ferien unterwegs mit entsprechenden Dienstleistungen. Das Visum ist abgelaufen, Aufenthaltsbewilligung fehlt, Arbeitserlaubnis sowieso – aber mit dem bescheidenen Nebenverdienst lässt sich der eigenwillige Lebensentwurf gut finanzieren. Sie muss Hotelzimmer, Bahnbillette, Mittagsmenus und Einkäufe bar und anonym bewältigen können, um keine Datenspur zu hinterlassen. Dasselbe gilt für Gelegenheits-Prostituierte, die ihren Nebenverdienst aus naheliegenden Gründen der Verwandtschaft und dem Steueramt nicht ausweisen können.

Kein Bankkonto, kein Handy – ausgeschlossen

Geschätzt 10 Prozent der Menschen in der Schweiz haben weder Handy noch Bankkonto. Die echten Randgruppen gehören dazu. Ein Alkoholiker räumt sein Konto leer, bis der Bancomat sein Kärtchen auf Nimmerwiedersehen einzieht. Vorbestrafte erhalten oft kein Konto mehr bei einer Bank. Wer vom Karussell gefallen ist, hat es schwer. Ohne Konto kein «Digital Wallet» auf dem iPhone – bezahlen mit Twint, QR-Code oder IBAN-Überweisung ist dann nicht mehr möglich. Wer seine Finanzen nicht im Griff und kein Konto mehr hat, ist zunehmend vom Alltag ausgeschlossen.

Bargeld verhindert Totalabsturz

Digitales bezahlen ist praktisch, aber längst nicht für alle möglich. In der aktuellen Diskussion um die Digitalisierung der Währungen geht ein Element unter: Wer nicht mehr in der Lage ist, einen Zahlungsvorgang digital zu erledigen, den trifft die Bargeldbeseitigung besonders hart. In der Bargeld-Debatte werden oft die «Alten» als rückständig und unflexibel hingestellt. Dieses Argument ist billig. Viele Senioren sind seit Jahren digital unterwegs. Das Argument verschleiert die Probleme für Randständige, die vom sozialen Leben zunehmend abgeschnitten sind.

Bargeld ermöglicht anonymen Tausch von Gütern und Dienstleistungen aller Art. Die Absicht des Staatsapparates, diese anonymen Tauschgeschäfte zu unterbinden, zeugt von einer gehörigen Ignoranz gegenüber den Folgeproblemen, die eine schleichende Bargeld-Abschaffung für Randständige nach sich zieht. Bargeld ermöglicht diesen Aussenseitern einen Alltag. Mit dem Bargeld verschwindet das Problem nicht – ganz im Gegenteil. Die schiefe Bahn wird immer steiler und der «Point of no return» kommt früher. Ein Clochard, der sich die nächste Flasche nicht mehr zusammenbetteln und bar bezahlen kann, klaut sie eben und wird kriminell.

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Martin Bürlimann
SVP (AG)
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