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Bedrohte Ackerflächen

Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz beträgt gemäss dem aktuellen Agrarbericht mittlerweile erschreckende 42 Prozent – rund 14 Prozentpunkte weniger als noch vor 15 Jahren!

Es ist erschreckend, wie leichtfertig in der Schweiz mit Ackerflächen umgegangen wird. Bild: Pixabay

Während der Selbstversorgungsgrad bei tierischen Produkten aufgrund des vielen Weidelandes traditionell hoch ist, liegt er bei pflanzlichen Produkten deutlich tiefer. Verantwortlich für den starken Rückgang sind hauptsächlich das starke Bevölkerungswachstum infolge Zuwanderung sowie der Kulturlandverlust durch Bauprojekte oder Renaturierungen. Diese Faktoren bedrohen vor allem unsere im Mittelland liegenden Ackerflächen. Die im September zur Abstimmung kommende Ernährungsinitiative will den Selbstversorgungsgrad auf unrealistische 70 Prozent erhöhen und dafür den Anbau von Futtermitteln faktisch verbieten. Es sei effizienter, wenn wir die pflanzliche Nahrung selbst essen, anstatt sie an Tiere zu verfüttern. Bei uns in Winterthur stimmen wir gleichzeitig darüber ab, ob bestes Ackerland in Wald umgewandelt werden soll, anstatt weniger wichtige Landwirtschaftsflächen aufzuforsten. Auch hier hört man oft das Argument, dass dies unproblematisch sei, da auf diesen Flächen sowieso nur Futtermittel produziert würden.

Dabei geht hüben wie drüben vergessen, dass das Anpflanzen von Futtermitteln ökologisch sinnvoll ist. Die «Dreifelderwirtschaft» ist den meisten aus dem Schulunterricht noch geläufig. Der wertvollste Wechsel ist das Anpflanzen von «Kunstwiesen». Gerade Klee entlastet die Böden und bindet wichtigen Stickstoff im Boden. Gras und Klee müssen hingegen zwingend von Nutztieren verwertet werden. Kulturen wie Kartoffeln oder Getreide fordern die Böden stark, weshalb das zwischenzeitliche Anpflanzen anspruchsloser, vor allem als Futtermittel genutzter Kulturen sinnvoll ist. Nachhaltiger Ackerbau braucht die Tierhaltung auch wegen des Düngers. Die einseitige Ausrichtung auf pflanzliche Nahrung stört dieses ökologische Gleichgewicht also empfindlich! Sie kann sogar schwere Ernteeinbussen zur Folge haben.

Es ist erschreckend, wie leichtfertig in der Schweiz und besonders in Winterthur mit Ackerflächen umgegangen wird. Neben der bereits erwähnten Aufforstung betrifft dies in Winterthur auch Renaturierungen wie am Mattenbach, «Stadtrandparks» oder ein von der EVP geforderter Stadtpark auf wertvollen Ackerflächen im Grüzefeld. Immer sind es die Ackerflächen, die als Ausgleich herhalten müssen! Denn was wir in der Schweiz an Ackerfläche abbauen, muss schlimmstenfalls durch intensiven Anbau in Spanien oder Marokko kompensiert werden. Diese Lebensmittel werden dann in die Schweiz gekarrt, was auch nicht besonders ökologisch ist. Zudem reduzieren wir unseren Selbstversorgungsgrad weiter. Tragen wir unseren Ackerflächen mehr Sorge!

über den Autor
Manuel Zanoni
SVP (ZH)
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