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Die Posse um ein Porträt

Wenn man die neuesten Eskapaden aus dem Zürcher Baudepartement verfolgt, reibt man sich erstaunt die Augen.

 

Der grüne Regierungsrat Martin Neukom, der sich gerne als fortschrittlich und sachbezogen inszeniert, liefert uns ein Lehrstück in Sachen Eitelkeit und politischer Selbstinszenierung. Dass ein Regierungsrat des Kantons Zürich sein Porträt für die Nachwelt anfertigen lässt, ist gute, sogar schöne Tradition. Doch die Art und Weise, wie Neukom in seinem speziellen Fall gehandelt hat, spricht Bände über das Ego-Verständnis der Zürcher Linken. Hier geht es nicht mehr um das Amt, sondern um die Glorifizierung der eigenen Person – die er erst nach dem medialen Wirbel aus dem eigenen Sack berappt hat.

Besonders stossend ist die moralische Aufladung dieses Vorgangs. Neukom hat sich wohl bewusst einen Künstler im Rollstuhl ausgesucht, um sein Konterfei zu verewigen. Das riecht förmlich nach dem krampfhaften Versuch, die eigene politische Korrektheit zur Schau zu stellen. Man schmückt sich mit der «Inklusion», um das eigene Image aufzupolieren. Es ist diese typische linke Art: Man wählt jemanden nicht primär wegen seiner spezifischen künstlerischen Sprache aus, sondern weil das Merkmal der Behinderung so wunderbar in den Anspruch der moralischen Überlegenheit passt. Dass man dabei einen Menschen mit einer schwierigen Lebensgeschichte instrumentalisiert, scheint niemanden zu stören, solange die Aussenwirkung stimmt.

Dieses Gezerre um Pinselstriche und Lichtverhältnisse zeigt die völlig falschen Prioritäten im Baudepartement. Während die Zürcher Bevölkerung unter der Massenzuwanderung, explodierenden Mieten und einer verfehlten Verkehrspolitik leidet, hat Regierungsrat Martin Neukom offensichtlich nichts Besseres zu tun, als über die Darstellung seiner selbst zu nörgeln. Statt die Perspektive des Künstlers – die geprägt ist von einer harten Lebensrealität – zu würdigen, wird sie abgewiesen, weil das Spiegelbild nicht schmeichelhaft genug ausfällt. Er wäre gut beraten gewesen, die künstlerische Handschrift des Malers im Vorfeld genau zu studieren, anstatt sich im Nachhinein über das Resultat zu beklagen.

Gleich drei Werke hatte der Künstler geliefert, und keines schien Martin Neukoms Selbstbild zu entsprechen. Er war unzufrieden, fühlte sich «entstellt». «So kennen wir den Martin nicht», und eine Begleiterin meinte gar, ihren Grossvater kurz vor dessen Tod zu sehen. Zugegeben, über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Aber wer einen Künstler engagiert, der durch sein Schicksal die Welt mit anderen Augen sieht und dessen Werk zwangsläufig auch Schmerz, Tiefe und eine ungeschönte Realität ausdrückt, darf sich nicht wundern, wenn das Ergebnis kein digital optimiertes Werbeplakat für die nächste Wahlkampagne ist.

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