«Frölein, es Kafi crème, bitte!»
Früher war nicht alles besser, aber so manches einfacher und unkomplizierter.

Gemütlich Kaffee trinken ist erlaubt. Bild: Gemini
Ging man ins Restaurant, rief man nach dem «Frölein», um die Aufmerksamkeit des Servicepersonals auf sich zu lenken. Das klappte wunderbar – bis man auf die Idee kam, dass diese Bezeichnung nicht mehr zeitgemäss sei. Wehe dem, der die Frechheit besitzt, heutzutage noch nach dem «Frölein» zu verlangen.
Tatort Bern während der vergangenen Session: Vier Parlamentarier treffen sich seit vielen Jahren in einem dem Bundeshaus nahe gelegenen 5-Sterne-Hotel zum Frühstück. Sonnenschein, wunderschöner Blick über die Aare und lockere Stimmung. Bis einer der vier den fatalen Fehler begeht: «Frölein, es Kafi crème, bitte!» Die Stimmung der Servicekraft ist mit einem Schlag nicht mehr locker, sondern im Keller. So sehr, dass sie sich beim Chef de Service beschwert. Als sich dann noch ein anderer der Vierergruppe erfreut darüber wundert, dass eine der Kellnerinnen Schweizerdeutsch spricht, ist das Fass komplett übergelaufen. Auch sie sieht sich genötigt, ihren Chef zu informieren.
Beim Bezahlen der Rechnung folgt dann der Schlag in die Magengrube. Nicht die Betragshöhe lässt die vier konsterniert zurück, sondern die Beanstandungen des Chefs de Service, das Personal habe die Schweizerdeutsch-Bemerkung als rassistisch und «Frölein » als abwertend empfunden.
Jeder kennt wohl das Dilemma, mit Blickkontakt oder dezentem Handheben auf sich aufmerksam machen zu wollen. Das Servicepersonal bemerkt den Gast oder auch nicht. Es ist wie Dating, nur dass man am Ende im besten Fall Pasta statt Herzschmerz serviert bekommt. Zu guter Letzt dann ein zögerliches «Ähm… Entschuldigung? », was aber in diesem Kontext etwas grotesk anmutet. Man entschuldigt sich, aber wofür? Für die Störung? Die Frage, wie man denn nun das Servicepersonal korrekt ansprechen soll, konnte auch der Chef de Service nicht beantworten; er reagierte mit einem ratlosen Schulterzucken.
Dieser Tage kann man kaum den Mund aufmachen, will man nicht in die Rassismusfalle tappen. «Mohrenkopf» darf man schon lange nicht mehr sagen, was mich aber offen gesagt nicht kümmert, da ich beim Hineinbeissen nicht an einen stark pigmentierten Menschen denke. Sogar beim «Zigeuner- Salat» einer Zürcher Oberländer Bäckerei wittern Oberkorrekte Rassismus. Kann ein Salat rassistisch sein?
Wer sich in Zürichs Restaurants verköstigen lässt, kommt meist nicht darum herum, die Bestellung auf Englisch oder bestenfalls Hochdeutsch aufzugeben. Sich aber darüber zu freuen, dass im Service jemand ausnahmsweise Schweizerdeutsch spricht, um dann gleich als Rassist hingestellt zu werden, ist wirklich absurd.
Nun ja, die vier Parlamentarier haben sich entschieden, nach über zehn Jahren das Lokal zu wechseln.