Früher flogen nur Millionäre, heute fliegen Millionen. Das ist gut so.
Eine neue, linke Volksinitiative will mit einer Flugticketabgabe von mindestens 30 Franken, je nach Strecke und Reiseklasse, Mobilitätsbons im Wert von 100 Franken an alle verteilen. Was als sozial und ökologisch verkauft wird, ist in Wahrheit ein weiterer Versuch, mit staatlichen Eingriffen die Bürger zu belasten und zu erziehen. Dies geht auf Kosten von Freiheit, Effizienz und wirtschaftlicher Vernunft. Eine zusätzliche Subventionierung des öffentlichen Verkehrs führt nicht zu mehr Effizienz, sondern verzerrt den Markt weiter. Einmal mehr soll mit der Giesskanne Geld verteilt werden.

Mit der Mobilitätsbon-Initiative sollen die Bürger noch stärker bevormundet und finanziell belastet werden. Bild: mobilitaetsbon.ch
Dabei wird oft übersehen, dass es bereits heute Möglichkeiten gibt, Verantwortung zu übernehmen: Wer fliegt, kann freiwillig seinen CO2-Ausstoss kompensieren. Dieses Instrument erlaubt es jedem Einzelnen, eigenverantwortlich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ganz ohne staatlichen Zwang und zusätzliche Bürokratie. Auch in meinem Umfeld zeigt sich, dass selbst politisch links stehende Personen diese Möglichkeit kaum nutzen. Und das ist letztlich auch in Ordnung, denn jeder soll selbst entscheiden können, wie er lebt.
Billigflüge nicht die Realität
Ein häufig vorgebrachtes Argument der Befürworter ist, dass Fliegen zu billig sei. Gerne wird auf Flüge für 19 Franken nach Barcelona verwiesen. Solche Preise sorgen für Schlagzeilen, sind aber in der Realität seltene Ausnahmen. Sie existieren nur in sehr begrenzter Anzahl, zu wenig attraktiven Zeiten und unter spezifischen Bedingungen; vor allem als Marketinginstrument.
Die Realität sieht anders aus: Wer geschäftlich und kurzfristig innerhalb Europas unterwegs ist, zahlt häufig zwischen 600 und 800 Franken. Als Vielflieger erlebe ich das regelmässig. Entscheidend ist daher nicht der tiefste Einzelpreis, sondern der Durchschnittspreis, den Passagiere tatsächlich bezahlen. Dieser ergibt sich aus einer Mischung von wenigen günstigen, vielen mittleren Tickets, oft zwischen 300 und 400 Franken, und einigen sehr teuren Tickets. Würden alle denselben Durchschnittspreis bezahlen, inklusive teurer Business-Class-Tarife, wäre das Argument der «zu billigen Flüge» hinfällig. Im Gegenteil, Fliegen würde von vielen als teuer wahrgenommen, obwohl der durchschnittliche Erlös pro Sitz gleich bliebe. Dass dies nicht so ist, hat klare Gründe: Privatkunden reagieren preissensibler als Geschäftsreisende, und auch der Buchungszeitpunkt, das Datum und die Flugzeit spielen eine zentrale Rolle.
Der Markt reagiert bereits
Auch die oft propagierte Alternative, der öffentliche Verkehr, ist nicht immer so zuverlässig, wie behauptet wird. Ich habe selbst zwei Mal den Zug nach Frankfurt genommen. Drei von vier Strecken waren von Annullationen und massiven Verspätungen zwischen drei und fünf Stunden betroffen, die vierte immerhin noch von knapp einer Stunde.
Hinzu kommt, dass externe Faktoren die Preise ohnehin erhöhen. Der aktuell hohe Ölpreis treibt die Kosten im Luftverkehr nach oben. Gleichzeitig reduzieren viele Airlines ihre Kapazitäten, was das Angebot verknappt und die Ticketpreise zusätzlich steigen lässt. Der Markt reagiert also bereits, ganz ohne staatliche Eingriffe.
Innovation statt Symbolpolitik
Ein Blick ins Ausland zeigt zudem, wie wenig zielführend solche Massnahmen sind. Schweden führte 2018 eine Flugticketabgabe ein und schaffte sie 2025 wieder ab, weil die Wirkung ausblieb und die wirtschaftlichen Nachteile überwogen. Auch Deutschland zeigt, dass nationale Alleingänge im Luftverkehr problematisch sind. Sie schwächen nicht nur die Luftfahrt, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort.
Die Bedeutung der Luftfahrt für die Schweiz ist unbestritten. Eine repräsentative Umfrage von Aviationsuisse zeigt, dass 80 Prozent der Bevölkerung die Luftfahrt als wichtig oder sehr wichtig für die Wirtschaft erachten, und 61 Prozent bewerten Flugreisen positiv. Die Menschen wollen mobil sein, sowohl für die Arbeit als auch für die Freizeit. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, sie zu erziehen.
Gleichzeitig wird beim Klimaschutz bereits viel getan. Die Luftfahrt, insbesondere in der Schweiz, investiert massiv in effizientere Technologien, nachhaltige Treibstoffe und optimierte Abläufe. Hohe Ölpreise verstärken diesen Innovationsdruck zusätzlich. Doch solche Fortschritte entstehen nicht über Nacht. Und schon gar nicht durch kurzfristige politische Eingriffe.
Internationale Mobilität bleibt zentral
Die Mobilitätsbon-Initiative setzt stattdessen auf Umverteilung und zusätzliche Regulierung. Sie schafft neue Abhängigkeiten vom Staat und belastet jene Menschen und Unternehmen stärker, die bereits heute überdurchschnittlich zum Wohlstand beitragen. Viele Tätigkeiten in der Privatwirtschaft sind auf internationale Mobilität angewiesen. Persönliche Treffen lassen sich nicht beliebig durch Videokonferenzen ersetzen.
Besonders stossend ist dabei, dass gerade jene, die von solchen Eingriffen oft am wenigsten betroffen sind, sie am lautesten fordern. Ein Lehrer oder ein anderer Staatsangestellter kann seine Arbeit in der Regel problemlos ohne internationale Geschäftsreisen ausüben, sein Einkommen ist gesichert, unabhängig davon, ob er je in ein Flugzeug steigt. In der exportorientierten Privatwirtschaft sieht die Realität anders aus. Dort sind persönliche Kontakte, Kundenbesuche und kurzfristige Reisen häufig entscheidend für den Geschäftserfolg. Wer hier zusätzliche Kosten und Hürden schafft, trifft nicht anonyme Konzerne, sondern ganz konkret Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Schweiz.
Auch viele Bürgerinnen und Bürger arbeiten hart und möchten sich bewusst Ferien oder Reisen gönnen. Mobilität ist ein Teil von Lebensqualität und darf nicht zum Luxus werden.
Nein zu neuer Bevormundung
Diese Initiative ist der falsche Weg. Sie schwächt die Eigenverantwortung, verzerrt den Markt und gefährdet einen zentralen Wirtschaftszweig, gestützt auf populistische Argumente. Wer eine starke, innovative und nachhaltige Mobilität will, setzt auf Wettbewerb und Technologie, nicht auf staatliche Subventionen und Symbolpolitik.
Philipp Müller ist beruflich als Aviatik-Manager tätig.