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Mit Fussball ins Abseits

Die letzte Ratssitzung wurde eifrig dazu benutzt, die Verwaltung über die Ferien doch noch ordentlich zu beschäftigen.

Jegliche Gewalt gegen wen auch immer ist abzulehnen und entsprechend zu sanktionieren. Aber ob ein Präventionsprogramm uns dabei hilft, wage ich zu bezweifeln. Bild: Pexels

Dass dazu auch die Fussball-WM Stoff liefert, ist indes wohl eher ungewöhnlich. Die Alternative Liste, die sich neuerdings ja Alternative Linke nennt, möchte wissen, was denn konkret für Präventionsprogramme bestehen, um einen Anstieg gewalttätiger Übergriffe im häuslichen Kontext zu verhindern. Gemäss einer Studie aus England steige nämlich das Risiko für Frauen, Opfer von Gewalt zu werden während einer Fussball-WM. Die Studie bestätigte einen Anstieg der alkoholbedingten häuslichen Gewalt bei einer Niederlage der eigenen Nationalmannschaft. Da stellt sich hier die Frage: Und bei einer Niederlage der Schweizer Nationalmannschaft? In der Schweiz? An Schweizer Frauen? Kann man denn diese Zahlen der englischen Nationalmannschaft einfach übernehmen? Vermutlich wird es tatsächlich mehr Gewalt geben nach solchen Ereignissen. Ebenso vermutlich aber doch eher in einem anderen Kulturkreis. Und die Gretchenfrage ist in diesem Zusammenhang wohl eher: Wie, bitte schön, soll ein Präventionsprogramm davon abhalten, gewalttätig gegen seine eigene Familie, seine eigene Frau oder einfach grundsätzlich gewalttätig zu sein? Einmal mehr wird der Elefant im Raum nicht benannt. Es sind keine Studien bekannt, die vermehrte Gewalt an Schweizer Frauen dokumentieren nach einer Niederlage der Schweizer Nationalmannschaft. Also ist man versucht anzunehmen, dass diese Anfrage zu Präventionsmassnahmen wohl eher unsere ausländischen Gäste betrifft.

In derselben Anfrage geht es auch um geschlechterspezifische Gewalt. Auch hier wird das Kind nicht beim Namen genannt. Vermutlich werden nicht Frauen extrem gewalttätig, wenn ihr Team verliert, sondern testosterongeschwängerte, junge, körperlich nicht ausgelastete Männer. Vielmehr wird hier aber wieder suggeriert, dass wir es neuerdings mit einer vermehrten männlichen Toxizität zu tun hätten. Die bösen Männer sind nun wieder an allem Schuld beziehungsweise: Männer sind einfach alleine schon durch ihr «Mann-sein» die Bösen und unterdrücken, benachteiligen, diskriminieren, attackieren Frauen. Dass es sich hierbei vielleicht auch einfach nur um eine Gegenreaktion handelt zur gegenwärtigen Doktrin «alle haben sich lieb» und «alle Menschen sind gleich», egal ob man sich heute als Fuchs oder Staubsauger fühlt, wäre eventuell auch eine Überlegung wert.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Jegliche Gewalt gegen wen auch immer ist abzulehnen und entsprechend zu sanktionieren. Aber ob ein Präventionsprogramm uns dabei hilft, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht sollten wir uns eher Gedanken dazu machen, wen wir bei uns willkommen heissen. Dann könnten wir uns Vorstösse sparen, die auf englischen Studien beruhen.

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