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Unbeabsichtigte Konsequenzen?

Für einmal schreibe ich diese Kolumne nicht aus der sommerlichen Schweiz, sondern aus den winterlichen peruanischen Anden.

Auch bei uns sind gewisse Berggebiete von Abwanderung betroffen – so beispielsweise das Walliser Dorf Albinen, das mit finanziellen Prämien dieser Realität entgegenzuwirken versucht. Bild: Wikimedia

Hier ist es den Tag hindurch zwar angenehm warm, in der Nacht hingegen fällt die Temperatur regelmässig deutlich unter null Grad. Schnee ist trotzdem kaum zu finden, da der Winter nicht in die Regenzeit fällt.

Es ist rund 25 Jahre her, seit ich zum letzten Mal in den peruanischen Andendörfern war. Seitdem hat sich einiges verändert. Im Gegensatz zu damals verfügen heute auch viele der abgelegenen Dörfer über einen passablen Strassenanschluss, Strom und überraschend gut ausgestattete Primarschulen. Mit dem Handyempfang hapert es an den meisten Orten jedoch noch. Der peruanische Staat hat in den letzten 10 bis 15 Jahren neben der Verbesserung der Infrastruktur Programme zum Bau besserer Häuser durchgeführt. Zudem richtete er in einigen Orten moderne Gemeinschaftszentren ein, Tambor genannt. Trotz der stark verbesserten Infrastruktur entvölkern sich die Dörfer zunehmend. Eine Schule in einem der Dörfer hat das letzte Schuljahr mit 32 Schülern gestartet, in diesem sind es noch 19. Viele der Jungen und Arbeitstätigen wandern in die Städte ab, wo bessere Gehälter und mehr Perspektiven locken. Es hilft natürlich nicht, dass es in den Bergdörfern kaum Jobs gibt und die Produktion von Agrargütern in diesen Lagen wenig einträglich ist, ja sogar Importgüter für die Leute oft günstiger kommen. Zurück bleiben die Älteren und wenige Unbeugsame, einige verfallen dem Alkohol. Der soziale Kitt in den Dörfern zerfällt sichtbar. Das Wissen der Älteren wird nicht mehr an die Jüngeren weitergegeben. Diese Entwicklung ist paradox und verwundert angesichts des grossen, vom Staat betriebenen Aufwands. Oder doch nicht? Treibt er sie womöglich sogar an, indem er Perspektiven für die Flucht in die Stadt schafft? Vieles wirkt von oben herab organisiert, die Bevölkerung scheint kaum einbezogen. Der Betreiber des von einem grossen Zaun umgebenen Gemeinschaftszentrums und die Lehrer reisen trotz Anfahrtszeiten von mehreren Stunden aus den grösseren Städten an. Selbst der Bürgermeister einiger der Dörfer ist dahingezogen.

Auch wenn es grosse Unterschiede gibt, ist man natürlich ob solcher Beobachtungen versucht, Parallelen zur Schweiz zu ziehen. Bei uns sind gewisse Berggebiete ebenfalls von der Abwanderung betroffen. Durch den Schutz der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sind wichtige Strukturen bis heute erhalten geblieben. Die tieferen Preise auf den Importmärkten werden ferngehalten. Zudem haben die Kantone und Gemeinden viel Autonomie, sich selbst zu organisieren und das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Auch in der Schweiz drohen jedoch immer mehr Dirigismus und Bürokratie von oben. Es soll uns eine Warnung sein.

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Manuel Zanoni
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