Züri brucht meh Züridüütsch
Es ist eine Situation, die leider viele von uns kennen. Man sitzt in einer Bar, bestellt eine Stange und muss dann leider feststellen, dass das Personal kein Deutsch spricht. «Sorry, I don’t speak German» (Zu Deutsch: «Entschuldigung, ich spreche kein Deutsch.»)

Wie kommt es, dass es einfach toleriert wird, dass ich in der Bar auf Englisch bestellen muss? Bild: Unsplash/quinguyen
Züridüütsch, not English, denke ich mir. Ich weigere mich, in Zürich auf Englisch zu bestellen! Weltstadt und Wachstum hin oder her: Wer hier lebt und arbeitet, sollte mich zumindest verstehen. Es kann nicht sein, dass Menschen in unserer Stadt arbeiten und sich nicht einmal die Mühe machen, die einfachsten Grundlagen unserer Sprache zu lernen. «Grüezi», «Was darf ich Ihnen bringen?», «Danke», «e Stange», «en gsprützte Wiise» – das Vokabular in einer Bar ist überschaubar und keine Hexerei.
Hier stehen auch die Besitzer und Geschäftsführer in der Verantwortung. Ja, es mag schwieriger geworden sein, Schweizerinnen und Schweizer für Jobs in der Gastronomie zu finden. Trotzdem erwarte ich, dass Vorgesetzte dafür sorgen, dass ihr Personal die Kundschaft zumindest versteht. Integration bedeutet Anpassung – und dazu gehört das Erlernen einer Sprache. Dafür braucht es keine zusätzlichen Integrationskurse und keine neuen staatlichen Auflagen. Eigenverantwortung lautet das Stichwort.
Doch nicht nur Gastronomen, sondern auch wir als Gesellschaft müssen uns an der Nase nehmen. Wie kommt es, dass es einfach toleriert wird, dass ich in der Bar auf Englisch bestellen muss? Oder dass mir ein Türsteher im Kreis 4 auf Englisch erklärt, ob ich nun reinkomme oder nicht. Genau das ist mir vor wenigen Wochen passiert: Der Mann an der Tür sprach uns selbstverständlich auf Englisch an – ohne zu zögern. Hätte man nicht gewusst, dass wir im Herzen von Zürich sind, hätte sich diese Szene überall auf der Welt abspielen können. Aber wir sind hier in der Schweiz! An dem einzigartigen Ort, an dem man sich von vier Landessprachen eine aussuchen kann. An dem Ort, an dem es auf kleinstem Raum unzählige Dialekte gibt – lebendig, vielfältig, einzigartig. Genau diese müssen wir schützen! Unsere Dialekte sind ein zentraler Bestandteil unserer Schweizer Identität. Und denen gilt es Sorge zu tragen. Tun wir das nicht, verlieren wir Schritt für Schritt unsere Kultur. Züridüütsch muss die Regel und darf auf keinen Fall die Ausnahme sein!