Lauf, Axpo, lauf… ! und der Blackout in Südeuropa
«Run, Forrest, run!» – dieser ikonische Satz aus dem Film «Forrest Gump» beschreibt erschreckend treffend den energiepolitischen Blindflug der Schweiz. Auch wir rennen. Ohne Plan, ohne Rücksicht, ohne Ziel. Hauptsache schnell, Hauptsache moralisch überlegen, Hauptsache – wir gefallen.

Stromausfall, jetzt hat man einen Eindruck davon bekommen, was das bedeutet. Bild: Stefan Baudy . Flickr
Die Schweiz will bis 2050 klimaneutral sein, der Kanton Zürich gar bis 2040. Das klingt nach Fortschritt – ist in Wahrheit aber eine technologische Illusion. Die Politik beschwört eine grüne Zukunft mit Strom aus Sonne und Wind, doch die Realität kennt keine Wunschträume. Statt Vernunft herrscht Aktionismus, statt Strategie ideologischer Eifer. Wie ein übermotivierter Forrest Gump stolpert unser Land in eine Energiezukunft, die weder gesichert noch bezahlbar ist. Beispiele für diese Realitätsverweigerung gibt es zur Genüge. Am 28. und 29. April 2025 ging in weiten Teilen Spaniens, Portugals und Südfrankreichs das Licht aus – wortwörtlich.
Über 12 Stunden Blackout. Geschätzter Schaden: mehr als vier bis sechs Mia. Euro. Supermärkte dicht. Züge und Passagiere gestrandet. Klimaanlagen in Spitälern und Altersheimen? Fehlanzeige. Und das alles, weil zu viel «grüner» Strom das Netz überlastete, so einige Experten; ein vielversprechendes Indiz. Der Strompreis lag in Spanien bei unter null – ein Stromüberschuss also, der das Netz in die Knie zwang. So viel zum «sauberen» Fortschritt.
Während Südeuropa ins Dunkel stürzt, schlägt die Schweiz neue Pflöcke der Ahnungslosigkeit ein. Am 29. April, exakt einen Tag nach dem Mega-Blackout, präsentieren EWZ, die Stadtwerke Winterthur und EKZ mit stolz geschwellter Brust ihre Pläne für fünf neue Windparks im Raum Winterthur.
Gleichzeitig fordert Axpo-Chef Christoph Brand 1200 bis zu 230 Meter hohe Windräder für die Schweiz. Eine Industrialisierung der Landschaft in gigantischem Ausmass. Wofür? Für 15 Tage Stromversorgung im Jahr, sofern das Netz nicht überfordert ist. Doch wer denkt hier noch logisch? Hauptsache, wir «dekarbonisieren». Hauptsache, wir sind die Ersten im Klimarennen. Auch wenn wir dabei über unsere eigenen Füsse stolpern. Auch wenn uns das Netz um die Ohren fliegt.
Der Fall Spanien zeigt: Zuviel Strom kann genauso fatal sein wie zu wenig. Doch statt daraus zu lernen, ruft man auch hierzulande: «Lauf, Axpo, lauf!» Nur fragt keiner, wohin. Oder ob der Weg überhaupt existiert. Wenn Vernunft, Netzsicherheit und Technologie durch Symbolpolitik ersetzt werden, ist nicht nur das Netz instabil – sondern die ganze Energiezukunft. Vielleicht ist es Zeit, stehenzubleiben. Durchzuatmen. Und zu fragen: Wollen wir wirklich wie Forrest einfach weiterlaufen – geradewegs in die nächste Katastrophe?