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Gemeinderat ist kein Feierabendjob – wer das glaubt, hat nichts verstanden

Man muss es endlich klar sagen: Das Amt als Gemeinderat ist kein Hobby, keine Nebenbeschäftigung und schon gar kein politischer Zeitvertreib für Profilierungssüchtige. Es ist ein Auftrag. Ein Auftrag der Bevölkerung. Und dieser Auftrag verpflichtet.

Ein Gemeinderat ist nicht nur Parlamentarier – er ist auch Vertreter der Bevölkerung vor Ort. Bild: SVP Kanton Zürich

Bei den Wahlen 2026 in Zürich traten 1081 Kandidatinnen und Kandidaten an, um einen der begehrten Sitze zu ergattern. Viele reden gerne vom «Milizsystem », als wäre ein solches Mandat ein gemütliches Ehrenamt. Die Realität ist eine andere: Wer dieses Amt ernst nimmt, investiert Woche für Woche ein Arbeitspensum von 25 bis 30 Prozent – oft mehr. Und zwar nicht im Rampenlicht, sondern dort, wo es unbequem wird: in Dossiers, Sitzungen, Gesprächen und Konflikten.

Die unsichtbare Arbeit im Hintergrund

Die Öffentlichkeit sieht vielleicht die Ratssitzung am Mittwochabend. Sie sieht die Reden, die Abstimmungen, die Schlagzeilen. Was sie nicht sieht, ist der eigentliche Kern der Arbeit. Dieser beginnt lange vor 17.00 Uhr: Fraktionssitzungen am Nachmittag, intensive Vorbereitung auf komplexe Geschäfte, das Durcharbeiten von Aktenbergen, das Abwägen von Interessen. Wer glaubt, man könne einfach erscheinen, zuhören und am Ende einen Knopf drücken, hat das System entweder nie verstanden – oder will es bewusst verharmlosen.

Und nach der Sitzung? Dann ist noch lange nicht Schluss. Kommissionsarbeit, Nachbearbeitung, Gespräche mit Betroffenen, mit Fachstellen, mit der eigenen Partei. Politik entsteht nicht im Scheinwerferlicht, sondern in der Tiefe. Wer sich dieser Tiefe entzieht, entzieht sich der Verantwortung.

Engagement über das Parlament hinaus

Doch selbst das ist nur ein Teil. Ein Gemeinderat ist nicht nur Parlamentarier – er ist auch Vertreter der Bevölkerung vor Ort. Präsenz an Standaktionen, Engagement bei Festen, Diskussionen im Quartier, Teilnahme an Parteisitzungen, Delegiertenversammlungen, Kreisgremien. Abstimmungskämpfe auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene gehören ebenso dazu wie die Pflicht, Position zu beziehen – auch dann, wenn es unbequem wird.

Dieses Amt verlangt Haltung. Einsatz. Zeit. Und Rückgrat.

Es braucht Menschen, die bereit sind, mehr zu leisten als das Minimum. Menschen, die nicht zuerst fragen «Was bringt mir das?», sondern «Was braucht die Bevölkerung?». Wer sich vor Kommissionsarbeit drückt, wer sich nicht einarbeitet, wer Verantwortung delegiert, statt sie zu übernehmen, der verrät nicht nur das Amt – er verrät auch die Wählerinnen und Wähler.

Klare Erwartungen an gewählte Vertreter

Und ja, das muss man so deutlich sagen: Wer von Anfang an signalisiert, dass er nur das Nötigste tun will, hat politisch bereits kapituliert. Solche Haltungen sind Gift für jede funktionierende Demokratie. Ein Parlament lebt von engagierten Persönlichkeiten, nicht von Abwesenheit, Bequemlichkeit oder Ausreden.

Die Bevölkerung hat ein Recht auf Vertreter, die sich einsetzen. Nicht halbherzig. Nicht selektiv. Sondern konsequent.

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Michele Romagnolo
SVP (ZH)
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