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Die vielen Seiten des Präsidiums

Die Wahl ins Kantonsratspräsidium ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist ein Auftrag.

Das Amt als Kantonsratspräsidentin ist ein Privileg, das ich dankbar annehme – als Chance zur Horizonterweiterung und Persönlichkeitsentwicklung. Bild: SVP

Ein Auftrag, den ich dankbar annehme. Es ist ein Amt, das gleichzeitig Demut und Respekt verlangt. Demut vor der Aufgabe, vor der Geschichte dieses Rates und vor den Menschen, die wir vertreten dürfen. Respekt vor unterschiedlichen Meinungen, vor engagierten Debatten, aber immer auf der gemeinsamen Suche nach Lösungen. So weit, so klar. Die passenden Worte, um damit die klassischen Fettnäpfchen zu umschiffen, die einem Kantonsratspräsidenten auflauern. Aber dennoch tatsächlich auch mein tiefes Empfinden für die Bedeutung dieses Amtes.

Lieber plaudere ich aber schon etwas aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel davon, dass ich bereits eine steile Lernkurve hinter mir habe, was die Kommunikation mit den Medien betrifft.

Die Fragen des «Tages-Anzeigers» für mein Porträt nach den Wahlen habe ich kurz und knapp beantwortet.

Ihre Herkunft ist unüberhörbar. Eine gebürtige Walliserin politisiert in Zürich. Wie kam es dazu? Relativ unspektakulär: Beruf und privates Umfeld haben mich nach Zürich geführt – und hier bin ich politisch heimisch geworden.

Wie/wo/von wem wurden Sie politisch sozialisiert? Gab es ein besonderes Erlebnis, einen Schlüsselmoment? Mein Zugang zur Politik war kein Masterplan, sondern hat sich entwickelt. Entscheidend war die Erkenntnis, wie konkret politische Entscheide den Alltag prägen. Das hat mein Interesse geweckt.

Sie scheinen auch viel Selbstironie zu haben. Wie viel davon braucht es in der Politik? Eine gewisse Bodenhaftung ist zentral. Man sollte sich selbst nicht wichtiger nehmen als die Aufgabe. Gerade im Präsidium steht das Amt klar im Vordergrund.

Sie waren u.a. auch RPK-Präsidentin in Bülach. Sehen Sie sich als (finanzpolitischen) Wachhund? Ich habe viel Erfahrung in Aufsichtsgremien gesammelt. Mir ist wichtig, dass mit öffentlichen Geldern sorgfältig umgegangen wird. Kontrolle gehört zu einem funktionierenden Staat.

Welche Bedeutung hat das KR-Präsidium, das Sie nun ausüben können, für Sie? Es ist eine grosse Ehre und Verantwortung. Das Präsidium ist stark nach aussen gerichtet. Mir ist wichtig, präsent zu sein, zuzuhören und die Vielfalt unseres Kantons sichtbar zu machen.

Sie sind bekannt dafür, Ihre Meinung klar zu vertreten. Geht das als KR-Präsidentin auch? Das Amt verlangt Zurückhaltung in politischen Fragen. Diese Rollentrennung ist für mich selbstverständlich. Klarheit und Fairness in der Ratsleitung sind dabei entscheidend.

Sie waren schon mal Gemeinderatspräsidentin in Bülach. Wie sehr hilft die Erfahrung auf kommunaler Ebene in der Kantonalpolitik? Wo sehen Sie Unterschiede? Die Erfahrung hilft sehr. Die Abläufe sind vergleichbar, auch wenn die Komplexität auf kantonaler Ebene deutlich höher ist. Entsprechend anspruchsvoll ist auch die Ratsleitung.

Ihre Höhepunkte/Tiefpunkte im KR? Motivierend ist, wenn parlamentarische Arbeit Wirkung zeigt. Herausfordernd bleibt, Mehrheiten zu finden. Das gehört aber zur Politik und ist Teil des Prozesses.

Ihr Blick auf den KR: Was macht das Parlament gut, was schlecht? Ist er zu sehr eine Schwatzbude? Der Kantonsrat arbeitet inhaltlich sehr fundiert. Gleichzeitig wünsche ich mir punktuell mehr Disziplin im Ratsbetrieb. Eine lebendige Debatte ist wichtig – aber sie sollte strukturiert und respektvoll geführt werden.

Was sind Ihre Ziele als KR-Präsidentin? Wie wollen Sie das Amt ausüben? Ich möchte politische Arbeit greifbarer machen. Viele Entscheidungen betreffen den Alltag direkt. Diese Zusammenhänge sollten besser sichtbar sein. Ich habe mir zum Ziel gemacht, dass die Menschen im Kanton Zürich besser verstehen, was das, was wir am Montag im Kantonsrat beschliessen, konkret für sie bedeutet.

Viele Politikerinnen und Politiker bezeichneten das Amt als Höhepunkt ihrer Karriere. Und Sie? Was kommt danach? Ich sehe das Präsidium als verantwortungsvolle Etappe. Die Erfahrung, überparteilich zu führen, ist, unabhängig davon, was danach kommt, wertvoll.

Dass dies die schön geföhnten Antworten sind, dürfte jedem klar sein, der mich bereits etwas kennt. Und was der «Tagi» daraus gemacht hat, können Sie online nachlesen. Es sei nur so viel verraten: Plötzlich geht es um Kleinholz machen, Schaf im Wolfspelz, Boston-Gate und Cüplisozialisten. So ticken die Medien.

Kein Wunder also auch, dass die «NZZ» zu vermelden wusste: Sie wurde mit einem eher schlechten Resultat gewählt, nämlich mit 136 von 176 Stimmen. Das «Bülacher Stadtblatt» frohlockte hingegen: Sie wurde mit einem Glanzresultat gewählt, nämlich mit 136 von 150 massgebenden Stimmen. Framing vom Feinsten.

Das Amt hält aber natürlich auch Goodies bereit: nämlich an den verschiedensten Anlässen mit ganz unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu treten und den Diskurs zu pflegen. Das ist tatsächlich ein Privileg, das ich dankbar annehme – als Chance zur Horizonterweiterung und Persönlichkeitsentwicklung.

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SVP Kantonsrätin (ZH)
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