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Zürcher Grössenwahn

Wer am vergangenen Montag die Zürcher Lokalmedien konsultiert hat, muss verwundert auf den Kalender geblickt haben – nur um dann festzustellen, dass der 1. April schon ein paar Monate her ist.

Das einzig Schützenswerte an der Langstrasse sind deren leidgeplagte Anwohner. SVP Kanton Zürich

Die Hauptmeldung des Tages konnte beim geneigten Zuschauer nämlich nur den Eindruck erwecken, dass es sich dabei um einen Aprilscherz handeln muss: Eine Gruppe von lokalen Gastronomen und Szene-Insidern plant, die Langstrasse, die Zürcher Ausgehmeile in den Stadtkreisen 4 und 5, in das Inventar des UNESCO-Weltkulturerbes aufnehmen zu lassen. Im Tele-Züri-Beitrag wird die Initiantin beim Sammeln von Unterschriften für dieses irrwitzige Unterfangen gezeigt.

Man muss wahrlich lange überlegen, um ein besseres Beispiel für den berühmt-berüchtigten Zürcher Grössenwahn zu finden: die Langstrasse, notorische Ausgehmeile und Sündenpfuhl der Limmatstadt, soll aufgrund ihrer vermeintlichen kulturellen Bedeutung auf gleicher Ebene wie der prachtvolle Taj Mahal, die historische Andenstadt Machu Picchu oder die Tempelstätte Angkor Wat Eingang in den Kanon historischer Stätten der Weltgeschichte finden.

Zugegeben, bei Nacht und mit ein, zwei Gin Tonics intus hat die Langstrasse durchaus ihren Reiz. Wer sich jedoch einmal bei Tag in das Quartier wagt, dem zeigt sich ein anderes, bedrückendes Bild: Drogenkonsum auf offener Strasse, vermüllte Hauseingänge, Elendsprostitution, verwahrloste Junkies, Gestank, versprayte Fassaden. Das Langstrassenquartier läuft an manchen Stellen richtiggehend Gefahr, zu verslumen, in den Strassen rund um die Bäckeranlage droht seit einigen Jahren gar die Bildung einer offenen Drogenszene. Schuld am beklagenswerten Zustand des Viertels ist, wie könnte es anders sein, die städtische Politik, die die chaotischen Zustände als Ausdruck einer lebendigen Multi-Kulti-Gesellschaft romantisiert und die aus falscher Toleranz nicht energisch genug gegen die grassierende Kriminalität vorgeht. Sämtliche Apelle der Anwohner, endlich für Ordnung zu sorgen, stossen bei den Stadtoberen auf taube Ohren. Schnapsideen sind wir uns in der Stadt Zürich ja wirklich zur Genüge gewohnt. Nur kommen diese normalerweise aus dem linksideologisch getriebenen Gemeinderat und nicht, wie in diesem besonders bizarren Fall, aus der sogenannten Zivilgesellschaft.

Die Selbstüberschätzung, die in dieser linksgrünen Bubble herrscht, ist mit Händen greifbar: Vielleicht erkenne man ja erst in 3000 Jahren, welch enorm wichtiges Kulturgut man mit der Langstrasse erhalten und geschützt hat, lässt sich die Initiantin bei Tele Züri vernehmen. Sie liegt falsch: Das einzig Schützenswerte an der Langstrasse sind deren leidgeplagte Anwohner.

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