Hitzige Temperaturen draussen und auch im Ratssaal

Ombudsmann Jürg Trachsel wurde für eine weitere Amtsdauer gewählt. Bild: zVg
Im Zentrum der personellen Traktanden stand die Neubesetzung im Verwaltungsrat der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Nach dem Rücktritt von Christoph Balmer wählte der Kantonsrat alt Kantonsrätin Rosmarie Joss (SP, Dietikon) in das wichtige Gremium.
Ebenfalls glanzvoll fiel das Ergebnis für die Zürcher Ombudsstelle aus: Der Jahresbericht 2025 wurde mit 157 zu 0 Stimmen einstimmig genehmigt. Als Anerkennung für die geleistete Arbeit im Dienste der Bürgerinnen und Bürger wurde der bisherige Ombudsmann und alt Kantonsratspräsident Jürg Trachsel mit 142 Stimmen für die Amtsdauer 2026–2030 im Amt bestätigt. Seine Ersatzperson, Anja Künzler, wurde in offener Wahl ohne Gegenantrag wiedergewählt. Zudem erhielt das Baurekursgericht mit Melanie Patt eine neue Abteilungspräsidentin für die laufende Amtsdauer.
Bildungsdirektion behält die Macht im Universitätsrat
Für die grössten Diskussionen im Ratssaal sorgte die Debatte um die Führungsstrukturen («Good Governance») an den kantonalen Hochschulen. Die Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) forderte über zwei parlamentarische Initiativen eine Entflechtung der Macht: Die Vorstehenden der Bildungsdirektion sollten das Präsidium im Universitätsrat sowie im Fachhochschulrat abgeben.
Das bürgerliche Lager blockierte diesen Reformversuch jedoch erfolgreich. Der Kantonsrat lehnte beide Initiativen mit knappen Mehrheiten von 91 zu 80 Stimmen (Universitätsrat) respektive 91 zu 79 Stimmen (Fachhochschulrat) ab. Die Bildungsdirektion behält damit die strategische Leitung der Zürcher Hochschulen; das Geschäft ist vom Tisch.
Meilenstein für Kita-Qualität und Lehrkräfte-Gleichstellung
Einen bedeutenden Erfolg gab es hingegen für das Betreuungspersonal in Kindertagesstätten. Der Rat beriet in erster Lesung eine Änderung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Mit deutlichen 118 zu 54 Stimmen beschloss das Parlament, dass Praktikantinnen und Praktikanten künftig nur noch für maximal ein Jahr an den Betreuungsschlüssel von Kitas angerechnet werden dürfen. Dies soll die Betreuungsqualität sichern und verhindern, dass billige Praktikumskräfte dauerhaft gelerntes Personal ersetzen.
Zudem korrigierte das Parlament eine historische Lohn-Ungleichheit im Lehrberuf: Einstimmig und ohne Gegenantrag beschloss der Kantonsrat, dass Lehrkräfte mit einem Fachhochschulabschluss an Berufsfach- und Berufsmittelschulen den Kolleginnen und Kollegen mit Universitätsabschluss bei den Anstellungsbedingungen völlig gleichgestellt werden. Damit setzte der Rat eine überparteiliche Motion von SVP, FDP und GLP um.
Private Konkurrenz für die Laufbahnberatung
Gegen den Widerstand der Ratslinken setzten SVP, FDP und GLP ein weiteres bildungspolitisches Projekt durch. Mit 103 zu 67 Stimmen überwies der Kantonsrat eine Motion zur Stärkung der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung.