30 Prozent sind möglich – aber kein Selbstläufer
Das SRG-Wahlbarometer gibt der SVP Rückenwind. Um die 30-Prozent-Marke zu knacken, braucht es jetzt Mobilisierung, Präsenz und überzeugende Antworten.

Das aktuelle SRG-Wahlbarometer macht Mut: Ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen käme die SVP schweizweit auf 29,9 Prozent. Damit liegt sie nicht nur klar an der Spitze, sondern überträfe auch ihr bisheriges Rekordergebnis bei Nationalratswahlen von 29,4 Prozent aus dem Jahr 2015. Zwei Prozentpunkte mehr als 2023 und nur noch ein Zehntel unter der symbolischen 30-Prozent- Marke – das ist ein starkes Signal. Es ist aber vor allem ein Auftrag. Wer jetzt meint, der nächste Wahlsieg sei bereits gesichert, hat die wichtigste Lehre aus dem Wahlbarometer nicht verstanden: Potenzial ist noch kein Ergebnis.
Das Wahlbarometer misst die nationale Wahlabsicht. Es ist keine Prognose für den Kanton Zürich und sagt nicht voraus, wie viele Sitze die Zürcher SVP gewinnen wird. Die Befragung zeigt jedoch, dass die Volkspartei schweizweit auf einer robusten Grundlage steht. Rund zwei Drittel derjenigen, die heute SVP wählen wollen, bezeichnen ihren Entscheid bereits als sehr sicher. Das gibt unserer Partei Rückenwind – und verschärft zugleich die Verantwortung, diese Unterstützung bis zum Wahltag zu halten und möglichst auszubauen.
Ein Zehntel kann den Unterschied machen
Die 30-Prozent-Marke ist mehr als eine runde Zahl. Sie steht für den Anspruch, die stärkste politische Kraft der Schweiz zu bleiben und den eigenen Rückhalt weiter zu verbreitern. Der Abstand dorthin beträgt gemäss Wahlbarometer gerade einmal 0,1 Prozentpunkte. Doch in einer Wahl entscheidet sich nichts durch Rundungen in einer Umfrage. Entscheidend sind die Stimmen, die tatsächlich abgegeben werden. Auch ein Wert von 29,9 Prozent ist kein Freipass: Andere Parteien kämpfen ebenfalls um ihre Wählerschaft, und zwischen einer Wahlabsicht im September und dem Resultat im folgenden Jahr an der Urne liegt ein langer Weg.
Die Studie spricht zudem nicht von einem einseitigen Rechtsrutsch. Neben der SVP legen auch SP und Grüne zu. Die Entwicklung deutet vielmehr auf eine stärkere Polarisierung hin: Die politischen Pole gewinnen, während FDP und Mitte an Boden verlieren. Für die SVP heisst das, dass wir nicht einfach darauf warten dürfen, dass die Unzufriedenheit mit den Parteien der Mitte automatisch zu uns führt. Wählerinnen und Wähler wollen überzeugt werden. Sie erwarten klare Antworten auf ihre Sorgen und eine Partei, die vor Ort präsent ist.
Klar bleiben, aber den Alltag ernst nehmen
Das Profil der SVP-Wählerschaft ist deutlich. Bei der Entscheidung für unsere Partei zählen besonders Asyl, Zuwanderung, Kriminalität und Sicherheit sowie die Unabhängigkeit und Souveränität der Schweiz. Diese Themen sind zentral und müssen klar angesprochen werden. Zugleich zeigt das Wahlbarometer, dass die politische Aufmerksamkeit nicht bei allen Fragen gleich bleibt. Die Zuwanderung wurde 2023 noch von 35 Prozent als eine der drei grössten Herausforderungen des Landes genannt; aktuell sind es 25 Prozent. Die Asylpolitik liegt mit 26 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres. Dagegen hat die Sorge um Kriminalität und Sicherheit seit 2023 deutlich zugenommen: von 10 auf 19 Prozent.
Das ist kein Grund, die eigenen Kernthemen leiser zu stellen. Es ist ein Grund, sie konkret und glaubwürdig mit dem Alltag der Menschen zu verbinden. Was bedeuten unkontrollierte Zuwanderung und eine überlastete Asylpolitik für Gemeinden, Schulen, Wohnraum und öffentliche Sicherheit? Welche Folgen haben steigende Ausgaben für die Steuerzahlenden? Wo erleben Familien und Betriebe die Auswirkungen staatlicher Entscheide unmittelbar? Gute Politik benennt nicht nur ein Problem, sondern zeigt, wer davon betroffen ist und welche Lösungen die SVP vorschlägt.
Rückenwind nutzen, nicht darauf ausruhen
Das Wahlbarometer zeigt eine gefestigte SVP-Basis. Das ist eine Stärke, aber auch eine Herausforderung. Ein sicherer Wahlentscheid nützt wenig, wenn die Wählerin oder der Wähler am Wahltag zu Hause bleibt. Der Wahlkampf muss deshalb früh beginnen: mit Gesprächen, Präsenz an Veranstaltungen, verständlichen Informationen und Kandidatinnen und Kandidaten, die für die Anliegen der Bevölkerung erreichbar sind. Gerade im bevölkerungsreichen und vielfältigen Kanton Zürich ist die Nähe zu den Menschen entscheidend. Die Partei muss in den Städten ebenso ansprechbar sein wie in den Agglomerationsgemeinden und ländlichen Regionen.
Dabei geht es nicht darum, die eigene Linie für jede Umfrage neu zu erfinden. Es geht darum, die Grundsätze der SVP mit den Fragen zu verbinden, die die Menschen vor Ort beschäftigen. Sicherheit, Zuwanderung, Eigenverantwortung und finanzielle Entlastung gehören dazu. Im Kanton Zürich kommen die konkreten Erfahrungen mit knappen Wohnungen, wachsendem Verkehr, hohen Abgaben und dem Druck auf die kommunale Infrastruktur hinzu. Wo die Zürcherinnen und Zürcher diese Belastungen erleben, muss die SVP zuhören, Missstände benennen und umsetzbare Vorschläge vorlegen.
Der Weg über die 30-Prozent- Marke führt über Arbeit
Das Ziel muss sein, die 30-Prozent-Marke zu überschreiten und damit das Potenzial der Partei weiter auszuschöpfen. Das Wahlbarometer macht dieses Ziel greifbar; es garantiert es nicht. Die SVP darf den Vorsprung nicht mit einem Auftrag verwechseln, sich zurückzulehnen. Im Gegenteil: Je stärker die Ausgangslage, desto mehr gilt es, Verantwortung zu übernehmen, die eigene Basis zu mobilisieren und zusätzliche Wählerinnen und Wähler anzusprechen.
Für die SVP des Kantons Zürich heisst das, den nationalen Rückenwind in engagierte Arbeit vor Ort zu übersetzen. Schon am 4. April 2027 stehen die kantonalen Wahlen an: Dann werden Kantonsrat und Regierungsrat neu gewählt. Mit dem Wahlauftakt von gestern, dem 22. Oktober, ist der Startschuss für den Wahlkampf gefallen. Es braucht klare Botschaften, glaubwürdige Persönlichkeiten und einen Wahlkampf, der bis zum letzten Tag geführt wird. Die 30 Prozent sind erreichbar. Knacken werden wir diese Marke aber nicht mit Selbstzufriedenheit, sondern mit Einsatz, Nähe und Überzeugungskraft.