Die Geisterbrücke
In Winterthur-Grüze wächst derzeit ein 71 Millionen Franken teures Beton-Ungetüm in den Himmel: die Leonie-Moser-Brücke. Das Kuriose dabei: Die Brücke soll einen Bahnhof erschliessen, den es noch gar nicht gibt – und vermutlich auch noch lange nicht geben wird!

Als einzige Partei erkannte die SVP schon damals den Irrsinn dieses Projekts der Stadt. Bild: Stadt Winterthur
Die Hiobsbotschaft für den Winterthurer Stadtrat traf letzten Oktober in Form eines ETH-Berichts ein! Der geplante und eben durch diese Brücke zu erschliessende Bahnhof Grüze Nord wurde in der Priorität massiv abgestuft. Prioritätsstufe 6 – «auf absehbare Zeit nicht realisierbar» – lautete das Urteil von ETH-Professor Ulrich Weidmann. Übersetzt auf Normalbürgerdeutsch bedeutet dies: Der Bahnhof Grüze Nord kommt frühestens um das Jahr 2045. Dies ist eine schallende Ohrfeige für den Winterthurer Stadtrat, der in der Brücke «das Herzstück des zukünftigen ÖV-Drehkreuzes Grüze» zu erkennen glaubte.
Der Stadtrat lobbyiert nun kräftig in Bern, damit die Leonie-Moser-Brücke nicht endgültig zur «Geisterbrücke» wird. Passend zur linksgrün-ideologischen Haltung der Stadtregierung darf die Brücke nämlich nur von Bussen und Velos befahren werden; fürs Auto bleibt sie verboten. Dabei führt die Brücke in ein (Industrie-)Quartier, das aufgrund der Lage zwischen zwei Gleisen für den motorisierten Verkehr schwierig zu erreichen ist. Quartierbewohner und (Schicht-)Arbeiter warten mitunter minutenlang vor den oft geschlossenen Bahnschranken oder müssen einen langen Umweg in Kauf nehmen.
Dem Schildbürgerstreich die Krone auf setzt jedoch der Umstand, dass die Rampen der Brücke für viele Velofahrer schlicht zu steil geraten sind. Diese kapitale Fehlplanung führt nun dazu, dass die Stadt für weitere Millionen einen zusätzlichen Tunnel für den Velo- und Fussverkehr graben muss. Man baut also eine Brücke für Velos, die zu steil für Velos ist, um einen Bahnhof zu erschliessen, an dem kein Zug hält. So wird die Brücke in näherer Zukunft nur wenige Male pro Stunde vom Bus befahren werden, obwohl sie eine weitaus höhere Kapazität hätte. Mit der von Linksgrün propagierten «Nachhaltigkeit» hat das 400 Meter lange Beton-Ungetüm offensichtlich wenig zu tun.
Auch finanziell ist der Bau nicht nachhaltig. Mittlerweile sind die Kosten auf 71 Millionen Franken angewachsen – 11 Millionen Franken mehr als bei der Abstimmung. Die Unterhalts- und Zinskosten für ein kaum genutztes Bauwerk sind dabei noch gar nicht eingerechnet! Der Winterthurer Stimmbürger liess sich vom Argument des Stadtrats einlullen, dass die Brücke zu einem grossen Teil von Bund und Kanton bezahlt wird und damit fast «gratis» sei. Dabei werden auch Kantons- und Bundessteuern aus dem gleichen Portemonnaie bezahlt. Als einzige Partei erkannte die SVP schon damals den Irrsinn dieses Projekts der Stadt. Statt Winterthur muss nun aber der Rest der Schweiz für diese Fehlplanung geradestehen.