Die Wärmepumpe: Im Winter hochgelobt – im Sommer verteufelt?
Es ist ein technisches Paradoxon, das man nur noch mit ideologischen Scheuklappen erklären kann: Im Winter wird die Wärmepumpe von linksgrüner Seite völlig zu Recht als thermodynamisches Wunderwerk gefeiert. Sobald das Thermometer im Sommer aber die 30-Grad-Marke knackt, mutiert dieselbe Technologie plötzlich zum klimaschädlichen Buhmann.

Während man zum Heizen auf modernste Technik setzt, sind wir in Sachen Klimatisierung ein Entwicklungsland. Bild: Simon Binder
Dabei ist die Sache physikalisch ganz einfach: Eine Klimaanlage ist technisch betrachtet nichts anderes als eine Wärmepumpe, die im Rückwärtslauf betrieben wird. Moderne Geräte können längst beides. Warum also soll dieselbe hocheffiziente Technik im Sommer «böse» sein – ausgerechnet dann, wenn wir dank Photovoltaik unseren eigenen Strom im Überfluss produzieren?
Statt auf diese logische Lösung zu setzen, erleben wir beim ersten Sommer- Heisswetter das immer gleiche mediale Gejammer. Es wird über hitzefreie Schulen berichtet und wenig hilfreiche Tipps mit Ventilatoren, feuchten Tüchern oder Eiswürfeln werden propagiert. In Sachen moderne Klimatisierung wirkt die Schweiz bisweilen wie ein Entwicklungsland. Das wäre fast schon amüsant, wenn es nicht ernst wäre: Selbst in Spitälern und Pflegeheimen steigen bei Hitzewellen die Belastungen für Patienten und Personal massiv an, weil bürokratische Hürden den Einbau moderner Kühlungen blockieren. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Bevölkerung die Hitze maximal spüren soll, um die von der politischen Gegenseite geforderte Dringlichkeit für noch radikalere Klimamassnahmen künstlich hoch zu halten.
Energieeffizienz statt Klima-Ideologie
Wer sich als Eigentümer oder Gewerbetreibender dennoch für ein effizientes Split-Klimagerät entscheidet, rennt direkt in die Arme der Bürokratie. Aufwändige Lärmschutzmodellierungen, Auflagen der Ortsbild- und Denkmalpflege oder die starre Koppelung an eine Solarpflicht machen die Bewilligung zum Spiessrutenlauf. Die Folge dieser Überregulierung liegt auf der Hand: Viele von der Hitze geplagte Bürger weichen verständlicherweise auf bewilligungsfreie, aber höchst ineffiziente mobile Monoblock-Geräte aus. Bei diesen muss das Fenster gekippt bleiben, um den Abluftschlauch hinauszuhängen – die warme Luft strömt direkt wieder rein. Damit erweist die ideologisch motivierte Blockadepolitik der Energieeffizienz und dem Klima einen maximalen Bärendienst.
Wenn der Strom an einem heissen Sommertag ohnehin aus einheimischer Produktion im Überschuss fliesst, gibt es keinen vernünftigen Grund, den Menschen das Kühlen ihrer Wohn- und Arbeitsräume madig zu machen. Die Entscheidung über das eigene Wohn- und Arbeitsklima gehört in die Hände der Eigentümer, Gewerbetreibenden und Familien vor Ort und nicht in die Amtsstuben. Auch hier fehlt derzeit eine Politik, welche auf die Eigenverantwortung der Bürger vertraut.