Ernährungsinitiative – NEIN
Als Landwirt und Produzent von Lebensmitteln betrachte ich die Ernährungsinitiative vom 27. September 2026 mit grosser Skepsis. Auf den ersten Blick klingt vieles sympathisch. Aber aufgepasst: Die Idee schiesst meilenweit an der Realität einer nachhaltigen und leistungsfähigen Lebensmittelversorgung vorbei.

Wir Bauern brauchen keine Politik, die uns vorschreibt, was wir anzubauen oder wie wir unsere Betriebe umzustrukturieren haben. Bild: ZBV
Mehr einheimische Lebensmittel, eine nachhaltigere Landwirtschaft, sauberes Trinkwasser und eine stärkere Versorgung der Schweiz aus eigener Produktion. Wer könnte denn gegen diese Ziele sein? Doch zwischen politischen Forderungen und der Realität auf einem Landwirtschaftsbetrieb liegen Welten.
Lebensmittel produzieren heisst mit der Natur arbeiten
Wir Bauern produzieren nicht auf Knopfdruck. Wir arbeiten mit dem Boden, dem Wetter, den Tieren und den natürlichen Gegebenheiten. Ein Landwirtschaftsbetrieb lässt sich nicht wie ein Industriebetrieb einfach auf ein politisch festgelegtes Produktionsziel hochfahren. Die verfügbare Fläche ist begrenzt, die Topografie der Schweiz ist anspruchsvoll und die klimatischen Bedingungen sind längst nicht überall für Ackerbau oder Gemüseproduktion geeignet. Gerade die vergangenen Wochen mit Trockenheit und den zerstörerischen Hagelzügen haben die Vulnerabilität des Pflanzenbaus aufgezeigt.
Die Forderung nach einem Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent klingt nach mehr Ernährungssicherheit, denn heute liegen wir bei 45 Prozent. Doch wie soll dieses Ziel erreicht werden? Die Schweiz müsste ihre Produktion massiv umbauen, aber auch steigern. Weg von der Nutztierhaltung, hin zu direkt essbaren pflanzlichen Produkten. Gleichzeitig soll die Landwirtschaft weniger Ressourcen verbrauchen, weniger Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger einsetzen und die Umwelt entlasten. Lauter widersprüchliche Zielsetzungen.
Die Schweiz ist ein Grasland
Gerade die Tierhaltung wird in dieser Initiative geringgeschätzt. Zwei Drittel unserer landwirtschaftlichen Fläche bestehen aus Wiesen und Weiden, insbesondere in Regionen, in denen Ackerbau gar nicht möglich ist. Rinder, Schafe und Ziegen können diese Flächen in hochwertige Lebensmittel umwandeln. Dazu bringen tierische Lebensmittel Wertschöpfung auf die Betriebe und in das nachgelagerte Gewerbe. Wenn man die Tierhaltung politisch zurückdrängen will, verschwindet deshalb nicht automatisch das Grasland.
Das Ertragspotenzial vieler «Wunschpflanzen» ist ökonomisch gesehen zu gering
Auch die Vorstellung, dass mehr pflanzliche Lebensmittel automatisch zu mehr Versorgungssicherheit führen, greift zu kurz. Natürlich brauchen wir eine vielfältige Produktion. Hochwertige tierische Proteine sind ernährungsphysiologisch den pflanzlichen Alternativen überlegen, darum braucht es beides. Wer die Inlandproduktion stärken will, muss zuerst akzeptieren, dass unsere Landwirtschaft durch Geografie und Klima Grenzen hat. Gerade proteinreiche Pflanzen wie Bohnen, Erbsen oder Linsen sind bis heute bei uns keine Kulturen, die konkurrenzfähige Erträge liefern können.
Auf dem Teller herrscht Selbstbestimmung
Herr und Frau Schweizer wollen und sollen sich nicht von staatlichen Stellen vorschreiben lassen, was auf ihrem Teller zu liegen kommt. Ob Fleisch, Milchprodukte, Eier, Gemüse oder Früchte: Ich und die meisten Mitbürger dieses Landes wollen dies zu Recht selbst bestimmen. Wer sich vegetarisch oder vegan ernähren will, darf dies heute schon tun und die wenigsten stören sich daran. Dies hat auch die Politik so erkannt. Ohne Gegenstimme und ohne eine einzige Enthaltung haben das Parlament und der Bundesrat die Initiative zur Ablehnung empfohlen.
Planungssicherheit bringt Ernährungssicherheit
Wir Bauern brauchen keine Politik, die uns vorschreibt, was wir anzubauen oder wie wir unsere Betriebe umzustrukturieren haben. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Wer Investitionen verlangt, muss Planungssicherheit schaffen. Wer höhere Umweltstandards fordert, muss deren Auswirkungen auf die Einkommen berücksichtigen. Und wer mehr Inlandproduktion will, muss auch bereit sein, diese Produktion am Markt entsprechend zu honorieren.
Landwirtschaft funktioniert nicht nach politischen Wunschvorstellungen. Wir brauchen Betriebe, welche unter Schweizer Bedingungen langfristig produzieren können. Denn wer Ernährungssicherheit will, muss zuerst dafür sorgen, dass es auch in Zukunft genügend Bauern gibt, die bereit und in der Lage sind, Lebensmittel zu produzieren.
Darum am 27. September ein klares NEIN zur Ernährungsinitiative.