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Gute Hilfe braucht eine ehrliche Klimabilanz

Ein verbesserter Kochherd kann Familien in Peru den Alltag erleichtern. Für die Schweizer Klimabilanz zählt aber, ob die ausgewiesene CO₂-Einsparung zusätzlich, messbar und korrekt überprüft ist.

In Sachen Auslandkompensationen liegt der richtige Massstab bei Wirksamkeit, Kosten und Eigenverantwortung. Bild: Adobe Stock

Wer in den peruanischen Anden bisher über offenem Feuer kocht, profitiert von einem besseren Herd: weniger Rauch in der Küche, weniger Holzverbrauch und eine einfachere Nutzung. Im SRF-Bericht aus der Region Sanagorán ist eine Mutter froh über den Herd, den ihre Familie im Rahmen des Tuki-Wasi-Projekts erhalten hat. Rund 35’000 Haushalte sollen bisher ausgerüstet worden sein. Die Hilfe ist willkommen – doch sie beendet die Armut der porträtierten Familie nicht. Die Kinder haben die Schule abgebrochen und arbeiten im illegalen Goldabbau.

Hilfe vor Ort, Wirkung noch offen

Das Projekt muss deshalb an zwei unterschiedlichen Fragen gemessen werden: Verbessert es den Alltag der Familien? Und bewirkt es tatsächlich jene CO₂-Reduktion, die in der Schweizer Klimabilanz angerechnet werden soll? Die erste Frage beantwortet der Bericht teilweise positiv. Bei der zweiten ist die definitive Zahl noch offen. SRF schreibt, die konkrete Wirkung werde derzeit berechnet. Eine ältere Bewertung schätzte die Einsparung auf etwas mehr als eine halbe Million Tonnen. Das peruanische Umweltministerium nennt für das Programm eine Prognose von 726’000 Tonnen CO₂-Äquivalenten zwischen 2021 und 2030. Prognose und verifizierte Einsparung sind jedoch nicht dasselbe.

Auslandkompensation braucht klare Regeln

Auslandprojekte sind nicht grundsätzlich fragwürdig. Der Klimaschutz wirkt über Landesgrenzen hinweg; entscheidend ist, ob eine Tonne CO₂ tatsächlich vermieden wird und zu welchen Kosten. Auch die Schweizer Klimapolitik erlaubt deshalb internationale Anrechnungen: Mindestens zwei Drittel der vorgesehenen Reduktionen müssen im Inland erfolgen, der Rest kann im Ausland erreicht werden. Eine Einsparung in Peru ist damit nicht automatisch weniger wert als eine in der Schweiz. Sie muss aber nach denselben nachvollziehbaren Kriterien beurteilt werden.

Dazu gehören eine konservative Berechnung, eine unabhängige Überprüfung und der Nachweis, dass die Einsparung ohne das Projekt nicht ohnehin eingetreten wäre. Ebenso muss ausgeschlossen sein, dass dieselbe Tonne doppelt angerechnet wird. Das sind keine theoretischen Detailfragen: Nur wenn die Zahlen stimmen, ist die internationale Kompensation ein wirksames und wirtschaftliches Instrument. Das BAFU nennt solche Anforderungen ausdrücklich. Gerade deshalb sollte die Öffentlichkeit die Berechnungen und Prüfergebnisse nachvollziehen können.

Klimaschutz ersetzt keine Entwicklungshilfe

Der soziale Nutzen darf dabei nicht mit der Klimawirkung verwechselt werden. Ein Herd kann die Luft in einem Haus verbessern und Holz sparen. Er kann aber weder fehlende Schulbildung noch gefährliche Arbeit in illegalen Minen lösen. Die Mutter im SRF-Bericht sagt selbst, dass sie weit mehr Unterstützung bräuchte. Das schmälert den Wert des Kochherds nicht. Es zeigt aber, weshalb ein einzelnes Projekt nicht als umfassende Entwicklungshilfe dargestellt werden sollte.

Der richtige Massstab liegt bei Wirksamkeit, Kosten und Eigenverantwortung. Die SVP hat Auslandkompensationen grundsätzlich befürwortet, wenn sie einen Teil der globalen Emissionen wirksam und kostengünstig senken. Gleichzeitig lehnt sie einseitige Schweizer Sonderwege, neue Abgaben und übermässige Bürokratie ab. Die Kritik sollte sich deshalb nicht gegen Hilfe in Peru richten, sondern gegen Klimaversprechen, deren Wirkung nicht transparent belegt ist – und gegen Vorgaben, die Bevölkerung und Unternehmen teuer zu stehen kommen, ohne global mehr zu bewirken.

Der Kochherd kann eine gute Hilfe sein. Ob er der Schweizer Klimabilanz tatsächlich angerechnet werden darf, hängt von der geprüften Einsparung ab. Gute Absichten sind ein Anfang. Für eine glaubwürdige Klimapolitik braucht es belastbare Zahlen und einen vernünftigen Mitteleinsatz.

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