Kein Wohlstandsgewinn durch Zuwanderung
Die FDP behauptet, die SVP-Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz würde «den Wohlstand der Schweiz gefährden ». Und der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse verbreitet, das kaufkraftbereinigte reale Bruttoinlandprodukt pro Kopf sei «seit der Jahrtausendwende um 22 Prozent gestiegen». Doch schauen wir uns die harten Zahlen und Fakten an.

Das Fazit muss lauten: Die Personenfreizügigkeit mit der EU hat praktisch nichts zum Wohlstand des Einzelnen beigetragen. Bilder: zVg
Wohlstandswachstum gesunken
In der Nachkriegszeit, von 1948 bis 2001, betrug das reale Wachstum des Wohlstands (gemessen am Bruttoinlandprodukt BIP pro Kopf als anerkanntes Wohlstandsmass) Jahr für Jahr durchschnittlich 1,83 Prozent. Seit Einführung der vollen Personenfreizügigkeit anno 2007 beträgt dieses Wohlstandswachstum pro Kopf und Jahr nur gerade noch 0,6 Prozent. Selbstverständlich ist in absoluten Zahlen die Schweiz wirtschaftlich gewachsen, und die entsprechende Kurve steigt deutlich nach oben. Es ist ja klar, dass mehr Menschen mehr konsumieren und mehr Umsatz bedeuten. Entscheidend für den Wohlstand sind aber nicht solch absolute Zahlen, sondern, wie sich der Wohlstand für die einzelnen Einwohner unseres Landes auswirkt. Und da zeigt der Vergleich eine weit flachere Entwicklung (siehe Grafik oben). Die Schweizer Bevölkerung ist seit 1981 von gut 6,3 Millionen auf neun Millionen im Jahr 2024 gestiegen – ein Plus von 2,7 Millionen Menschen. Wir sehen diese Bevölkerungsentwicklung auf der Grafik unten in der schwarzen Kurve. In der orangenen Kurve hingegen ist zu erkennen, wie sich gleichzeitig der Wohlstand pro Kopf entwickelt hat: nämlich bei gewissen jährlichen Ausschlägen gegen oben und unten insgesamt praktisch flach. Besondere Beachtung verdient der Ausschlag des Bruttoinlandprodukts im Jahr 2021, der sich aber leider nur durch das staatliche Corona-Unterstützungsprogramm erklärt. Das Fazit muss lauten: Die Personenfreizügigkeit mit der EU hat praktisch nichts zum Wohlstand des Einzelnen beigetragen. Hingegen muss der Einzelne alle Nachteile des Massenandrangs in die Schweiz auf sich nehmen: Bodenverknappung, unerschwingliche Miet- und Kaufpreise der Immobilien, überfüllte Strassen und Züge, unbezahlbare Krankenkassenprämien, Verschandelung der Landschaft, Belastung der Infrastrukturen, des Bildungs- und Gesundheitswesens usw.
Dichtestress ohne Vorteile
1970 hat die Schweiz wegen der Sorge über die Überfremdung (Schwarzenbach- Initiative) Kontingente für Zuwanderer eingeführt. Dieses Instrument hat sich bewährt und wurde einzig auf Druck der EU preisgegeben. Weder der Bundesrat noch das Parlament, weder die Gewerkschaften noch die Arbeitgeber wollten zuvor je eine Personenfreizügigkeit mit Brüssel. Bis 2001 ergab sich dank der eigenständigen Steuerung im Interesse unserer Wirtschaft und unserer Bevölkerung eine massvolle Zuwanderung von jährlich durchschnittlich 33 734 Personen.
Doch diese sinnvolle Steuerungsmöglichkeit hat unser Land 2001 mit der EU-Personenfreizügigkeit preisgegeben. Die Folge: Wir haben seit Einführung der vollen Freizügigkeit 2007 im Schnitt ein jährliches Bevölkerungswachstum von 85 557 Personen. Was für die einzelnen Schweizer zwar viel Dichtestress, aber keinen spürbaren Wohlstandsanstieg bedeutet.