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Landeskirche wohin?

Die traditionellen Landeskirchen im Kanton Zürich stehen unter erheblichem Druck.Der anhaltende Mitgliederschwund nagt an der gesellschaftlichen Verankerung der Institutionen und wirft zunehmend existenzielle Fragen über deren zukünftige Ausrichtung auf.

Die traditionellen Landeskirchen im Kanton Zürich stehen unter erheblichem Druck. Bild: Adobe Stock

Weil immer mehr Menschen aus anderen Kulturkreisen zuwandern, steigt der Anteil Personen, die einer anderen Religion angehören oder sich als konfessionslos bezeichnen. Da der Nachwuchs in den traditionellen christlichen Gemeinden vielerorts ausbleibt, gewinnen andere Glaubensgemeinschaften an Sichtbarkeit. Kritiker bemängeln, dass es den Landeskirchen nicht gelingt, in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft neue Mitglieder an sich zu binden oder den Kern ihres Glaubensangebots für die ansässige Bevölkerung attraktiv zu halten.

Millionen für den interreligiösen Dialog

Besonders heftige Kritik entzündet sich im Kanton Zürich an der aktuellen Finanzpolitik der Kirchenparlamente. Anfang 2025 bewilligte der Zürcher Kantonsrat den anerkannten Religionsgemeinschaften für die Jahre 2026 bis 2031 Staatsbeiträge in Höhe von insgesamt 300 Millionen Franken. Ein beträchtlicher Teil dieser Gelder fliesst an die Reformierte Landeskirche und die Römisch-katholische Körperschaft. Die kantonale Synode der Reformierten sowie das katholische Pendant haben beschlossen, im Rahmen dieser Periode jährlich eine Million Franken pro Kirche an nicht anerkannte Religionsgemeinschaften weiterzugeben. Damit werden unter anderem Projekte der Vereinigung islamischer Organisationen Zürich sowie orthodoxer christlicher Gemeinschaften finanziell unterstützt.

Dieses Vorgehen stösst bei vielen Mitgliedern der Landeskirchen auf Unverständnis und wird als falscher Einsatz von Steuergeldern gewertet. Steuerzahler, die bewusst eine christliche Landeskirche finanzieren, erwarten, dass ihre Beiträge für das eigene Gemeindeleben, die Seelsorge und traditionelle kirchliche Aufgaben eingesetzt werden.

Die Führung der Landeskirchen verteidigt die Ausgaben als Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Förderung demokratischer Strukturen innerhalb aller Religionsgemeinschaften. Für die Kritiker hingegen symbolisiert diese Politik eine fortschreitende Selbstaufgabe. Wenn die Zürcher Landeskirchen den Spagat zwischen interreligiöser Solidarität und der Pflege der eigenen Kernbasis nicht einvernehmlich lösen, droht sich der Austrittstrend mangels Identifikation weiter zu verschärfen!

Sparen an der Basis

Dabei zeigt sich an der Basis auch ein anderes Bild: Es gibt im Kanton Zürich durchaus gut funktionierende Kirchgemeinden auf Gemeindestufe, die sich mit enormem Engagement bemühen, ein lebendiges Gemeindeleben aufrechtzuerhalten. Doch genau hier schlägt die finanzielle Realität unbarmherzig zu. Viele dieser Gemeinden können wegen der sinkenden Steuereinnahmen kaum mehr die eigenen Lohnkosten decken. Pfarrerinnen, Jugendarbeiter und Sozialdiakone erfüllen an der Basis den eigentlichen Grundauftrag der Kirche, arbeiten jedoch oft am Limit oder sehen sich mit Budgetkürzungen und Stellenstreichungen konfrontiert.

Die Kritik richtet sich dabei nicht gegen den interreligiösen Dialog an sich. Eine interreligiöse Zusammenarbeit funktioniert bereits bestens und wird vielerorts geschätzt. Gemeinden können gemeinsam ökumenische oder interreligiöse Gottesdienste, Jugend- oder Seniorenarbeit anbieten. Für diese Kooperationen im Alltag braucht es jedoch keinen Cashflow in andere Glaubensgruppen. Brücken zu bauen ist eine Sache – der Aufbau und die Subventionierung fremder religiöser Strukturen mit Kirchensteuern eine andere. Die Unterstützung fremder Institutionen ist schlicht nicht die Kernaufgabe der Landeskirchen. Und jetzt auch noch ein grüner Güggel …

Der «Grüne Güggel» ist ein offizielles kirchliches Umweltmanagementsystem, das auf europäischen Standards basiert. Bisher war dieses Label freiwillig. Durch die Annahme der Abstimmung am 27. September 2026 gilt nun jedoch ein gewisser «Güggel-Zwang»: Alle reformierten Kirchgemeinden im Kanton müssen dieses System verbindlich einführen. Das bedeutet die systematische, messbare und verbindliche Verkleinerung ihres ökologischen Fussabdrucks. Da es nicht sinnvoll ist, historische, selten genutzte Sakralbauten teuer zu sanieren, gilt der Fokus beim Netto-Null- Ziel bis 2035 primär dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Wer noch mit Öl oder Gas heizt, muss innerhalb von neun Jahren auf klimafreundliche Systeme umsteigen. Das Besondere daran: Die Kirche ist damit deutlich radikaler als das staatliche Gesetz. Während die Zürcher Stimmbevölkerung in der Politik ein Vorziehen des Netto-Null-Ziels auf 2040 ablehnte, prescht die Kirche nun freiwillig auf das Jahr 2035 vor. Es stellt sich die Frage, wie die Kirchgemeinden dies finanzieren wollen …

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