Fachkräftemangel als Dauer-Drohkulisse der Zuwanderungs-Turbos
Im aktuellen Kampf um die Nachhaltigkeits-Initiative der SVP wird uns gerne die angeblich fehlende Krankenschwester unter die Nase gehalten. Mit den Pflegeberufen in den Spitälern und Heimen soll natürlich auf die Tränendrüsen der Stimmberechtigten gedrückt werden. Aber gerade am Beispiel der Berufssparte Gesundheitswesen lässt sich der Irrsinn der Personenfreizügigkeit bestens aufzeigen.

Nun sollen jährliche 100 000 Nettozuwanderer immer noch nicht genug sein? Bild: Adobe Stock
2025 kamen brutto 165 300 Personen neu in die sogenannte ständige Wohnbevölkerung der Schweiz, davon 93 000 mit einem Arbeitsvertrag, der Rest ist Familiennachzug, Studenten, Rentner und anderes. Nur 5923 wanderten in einen Beruf im Gesundheitssektor ein. Das sind gerade einmal 3,6 Prozent der ganzen Zuwanderung des letzten Jahres. Interessant ist der gleichzeitige Blick auf die Arbeitslosenzahlen, denn die Sparte «Gesundheits- und Sozialwesen » verzeichnet momentan 13 016 Arbeitslose.
Seit dem Jahr 2000 ist die Schweiz von 7,1 auf 9,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner gewachsen – das sind satte 27 Prozent mehr. In der gleichen Zeit ist die Zahl der Ärzte von 25 200 auf 42 600 gestiegen – also um volle 69 Prozent. Während wir bis zur Jahrtausendwende keinen Ärztemangel zu beklagen hatten, suchen heute viele Schweizer verzweifelt nach einem Mediziner.
Massenzuwanderung in die Arbeitslosenbranchen
In der Gastronomie ist die Arbeitslosenquote momentan bei weit über sieben Prozent, trotzdem holten unsere Betriebe letztes Jahr 13 650 neue Ausländer hierher. Im Handel kamen 8623 hinzu, obwohl 19 400 auf Stellensuche sind, und die Baubranche holte 3106 neue «Fachkräfte», obwohl 13 600 Personen beim RAV registriert sind.
2025 kamen 25 300 oder rund 30 Prozent der Arbeitsmigranten in Branchen mit hoher Arbeitslosigkeit in die Schweiz. Gleichzeitig sind wir mit 265 000 Arbeitslosen auf hohem Niveau, allein gegenüber dem Vorjahr haben wir eine 14 Prozent höhere Gesamtarbeitslosigkeit.
Die Folgekosten tragen wir alle
Angesichts dieses Widerspruches stellt sich doch die banale Frage, was diese vielen Leute auf unseren Arbeitslosenämtern machen, wenn es sich dabei angeblich um ganz dringend benötigte Fachkräfte handelt? Offenbar ist es dank der Personenfreizügigkeit einfacher, günstige neue Arbeiter aus dem EU-Ausland zu holen, als bei unseren Arbeitslosenämtern das Personal zu rekrutieren.
Die allgemeine Arbeitslosenquote der Schweizer Staatsangehörigen liegt bei 2,2 Prozent, bei den EU27-Ausländern beträgt sie 5,2 Prozent. Nicht wenige der angeblich dringend benötigten Arbeiter werden offenbar nach ihrem (kurzen?) Arbeitseinsatz in unsere Sozialwerke entsorgt. Dazu passen auch die Schlagzeilen der letzten Tage, wonach Schweizer Stellenbewerber über 50 Jahre kaum mehr einen Job finden. Offenbar ist es einfacher, billige Junge aus dem Ausland einzustellen, als im gesamtwirtschaftlichen Interesse zu handeln und die hiesigen Stellensuchenden zu berücksichtigen. Das macht die Personenfreizügigkeit erst möglich. Und wenn sie dann von den Firmen nicht mehr gebraucht werden, «entsorgen» sie die angeblich dringend benötigten Fachkräfte zulasten der Allgemeinheit in unseren Sozialwerken.
Hinzu kommt, dass uns die EU die Arbeitslosengelder für die Grenzgänger überbürden will. Der Bund verfügt über keine Statistiken, wie viele der momentan 410 000 Grenzgänger stempeln, denn heute ist grundsätzlich ihr Wohnsitzland zuständig, die Schweiz zahlt heute bloss eine kurze Phase einen Teil der Entschädigung. Der Bundesrat schätzt den Schaden des Brüsseler Prinzipienwechsels auf bis zu 900 Millionen Franken ein. Aber wenn unsere Restaurants und Cafés, unsere Spitäler und unsere KMU alle so dringend auf diese ausländischen Facharbeiter angewiesen sind, dass sie ohne diese gleich den Betrieb einstellen müssten, dann fragt sich auch hier, weshalb sie von ihren Schweizer Arbeitgebern in die Arbeitslosen-Versicherung entsorgt werden und wurden.
Ab wie vielen Einwohnern hat es keinen Fachkräftemangel mehr?
Würde die Personenfreizügigkeit mit der EU den Fachkräftemangel lindern, so müsste das Problem ja nun längst gelöst sein. Ist es aber nicht, und der Grund ist uns allen bestens bekannt: Jeder Zuwanderer löst neuen Bedarf an Zuwanderern aus; mehr Lehrer, Krippenbetreuer, mehr medizinisches Personal, Bauarbeiter, Verwaltungsangestellte, Verkäufer und alle anderen. Die Zuwanderung konnte das Problem des Fachkräftemangels nie lösen, weil sie selbst deren Treiberin ist: Ein Hamsterrad, das immer schneller dreht.
Im Jahr 1999, als es um die Einführung der Personenfreizügigkeit ging, hatten uns Bundesrat und offizielle Stellen eine jährliche Zuwanderung von 8000, allerhöchstens 10 000 Personen, prophezeit. Und nun sollen jährliche 100 000 Nettozuwanderer immer noch nicht genug sein?
So haben unsere Wirtschaftsverbände und die Politik den Fachkräftemangel bei acht Millionen Einwohnern beklagt, bejammern ihn jetzt bei momentan 9,14 Millionen Einwohnern und werden ihn auch bei 12, 14 oder 20 Millionen beklagen, selbst wenn jährlich 500 000 oder eine Million Zuwanderer kommen würden.
Am 14. Juni haben wir mit einem JA zur Nachhaltigkeits-Initiative die Chance, diesen Irrsinn zu stoppen und so unserer Einwanderung wieder zu mehr Qualität und weniger Quantität zu verhelfen.